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Blue Ocean Strategy in der Forschung & Entwicklung (WZ M72): Das Bremer Modell jenseits des Münchner Schatten

Die deutsche Forschung und Entwicklung (WZ M72) bewegt sich auf einem Ausgabenniveau von rund 127 Milliarden Euro (2024/2025), was etwa 3,1 Prozent des BIP entspricht. Damit liegt Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 2,7 Prozent. Bundessweit beschäftigt der Sektor zwischen 750.000 und 800.000 Personen. Doch hinter diesen aggregierten Zahlen verbirgt sich eine extreme regionale Disparität. Während München als unangefochtener Spitzenreiter mit Max-Planck-Instituten, Fraunhofer-Einrichtungen, zwei Exzellenzuniversitäten und dem Europäischen Patentamt glänzt, gerät der Stadtstaat Bremen in der öffentlichen Wahrnehmung oft ins Hintertreffen.

Für Entscheider im Bremer Mittelstand und in der angewandten Forschung ist diese Asymmetrie jedoch keine Schwäche, sondern die Grundlage für eine konsequente Blue Ocean Strategy. Statt im “Red Ocean” der Münchner Hyper-Konkurrenz um Talente und Fördermittel mitzuspielen, muss Bremen unbestrittene Markträume besetzen. Dieser Artikel analysiert die Branchenrealität von WZ M72 in Bremen, wendet das Framework der Blue Ocean Strategy an und liefert handfeste Empfehlungen für die strategische Neuausrichtung.

1. Die Ausgangslage: M72 in Deutschland und die Bremer Realität

Der Branchenreport M72 zeigt klar: Bayern vereinnahmt rund 25 bis 28 Prozent der deutschen F&E-Ausgaben, München allein ist der patentstärkste Standort Deutschlands (laut EPO und DPMA). Die Innovationscluster in Martinsried (Biotech) oder dem Munich AI Lab dominieren die Schlagzeilen.

Bremen spielt in einer anderen Liga – aber einer, die spezifische Vorteile bietet. Der Stadtstaat ist kein generischer Allround-Standort, sondern eine hochspezialisierte Deep-Tech-Enklave. Die wesentlichen Arbeitgeber und Forschungsträger in Bremen sind:

Während München mit Quantentechnologie und KI (Munich AI Lab) um die breite Masse der digitalen Transformation buhlt, hat Bremen eine physische, industrienahe Nische besetzt. Diese Fokussierung ist der erste Baustein für eine Blue Ocean Strategy: Die bewusste Abgrenzung vom vollgesättigten Wettbewerb.

2. Red Ocean München vs. Blue Ocean Bremen

Die Blue Ocean Strategy von Chan Kim und Renée Mauborgne postuliert, dass Unternehmen nicht im blutigen Wettbewerb (Red Ocean) verharren sollten, sondern neue, konkurrenzfreie Markträume (Blue Oceans) erschließen müssen.

In München ist der Markt für F&E-Dienstleistungen und -kooperationen ein klassischer Red Ocean. Die Immobilienkosten in Gräfelfing oder Martinsried sind exorbitant, die Gehälter für Data Scientists und Biotech-Forscher durch die Decke gegangen, und die Konkurrenz um Fördermittel des BMBF oder der EU ist brutal. Ein mittelständischer F&E-Dienstleister aus dem Bereich der Materialprüfung oder der maritimen Sensorik würde in München untergehen.

Bremen bietet demgegenüber einen Blue Ocean durch sektorale Symbiose. Hier treffen Luft- und Raumfahrt (OHB, DLR, Airbus) auf maritime Forschung (MPI, Uni Bremen, BLG Logistics) und angewandte Materialwissenschaft (Fraunhofer IFAM). Ein Beispiel: Die Übertragung von Leichtbau-Verfahren aus der Raumfahrt auf den Schiffbau oder die Offshore-Windindustrie. Dieser “Cross-Pollination”-Effekt zwischen zwei hochkomplexen, aber unterschiedlichen Domänen ist in München aufgrund der dortigen Fokussierung auf IT, Biotech und Automotive kaum replizierbar.

3. Die vier Handlungsfelder der Blue Ocean Strategy für Bremer F&E-Anbieter

Um den Blue Ocean in Bremen systematisch zu erschließen, müssen F&E-Entscheider die vier zentralen Hebel der Wertinnovation (Value Innovation) nutzen: Eliminate, Reduce, Raise, Create (ERRC-Grid).

Eliminate (Eliminieren):

Reduce (Reduzieren):

Raise (Erhöhen):

Create (Erschaffen):

4. Standortfaktoren Bremen im regionalen Vergleich

Wenn wir die harten Standortfaktoren betrachten, zeigt sich die Überlegenheit des Bremer Modells für spezifische M72-Akteure:

KennzahlBremenMünchen (Referenz)
Fokus-ClusterRaumfahrt, Maritime, LogistikBiotech, KI, Automotive
Immobilienpreise (Gewerbe)Moderat (ca. 12-15 €/m²)Hoch (ca. 25-35 €/m²)
F&E-Personal DichteHoch in NischenMaximal in Breite
GroßforschungDLR, MPI, Fraunhofer IFAM5 MPI, 3+ Fraunhofer, Helmholtz
PatentstrategieSpezifisch (Marine/Aero)Volumen (DE-weit Nr. 1)

Bremen hat den Vorteil der “Kurzen Wege”. Ein Start-up im Bereich der additiven Fertigung kann beim Fraunhofer IFAM in 15 Minuten eine Beratung bekommen, beim DLR in 20 Minuten eine Machbarkeitsstudie für Raumfahrtkomponenten einholen. In München ist die Distanz zwischen den Instituten und die Hierarchie der Großforschung oft ein Hindernis für agile Mittelständler.

Zudem zeigt die Datenbasis des Stifterverbandes, dass die außeruniversitäre Forschung (60.000–70.000 MA bundesweit) in Bremen überproportional gewichtet ist. Das bedeutet: Der Anteil an anwendungsorientierter Forschung ist hier höher als in reinen Universitätsstädten.

5. Strategische Handlungsempfehlungen für Entscheider

Als Strategieberater für den DACH-Mittelstand geben wir Ihnen folgende konkrete Handlungsempfehlungen mit auf den Weg, um die Blue Ocean Potentiale in Bremen (WZ M72) zu heben:

  1. Positionierung als “Maritime-Aerospace-Spezialist”: Wenn Sie in Bremen F&E betreiben, dürfen Sie nicht “einer von vielen” sein. Nutzen Sie die Nähe zu OHB und DLR, um sich als Zulieferer für Weltraumtauglichkeit zu zertifizieren, und transferieren Sie diese Standards in die maritime Industrie. Das schafft einen Burggraben (Moat), den Münchner IT-Consultants nicht überspringen können.

  2. Fördermittel-Cockpit neu kalibrieren: Statt sich auf die überlaufenen BMBF-Innovationswettbewerbe zu stürzen, nutzen Sie die Bremer Landesförderung (z.B. INNOVATIONSFOKUS) und die EU-Strukturfonds, die spezifisch auf Hafen- und Raumfahrtlogistik zugeschnitten sind. Die Verwaltung in Bremen ist kleinteiliger und zugänglicher.

  3. Talent-Pipeline über die Universität Bremen sichern: München zieht die breite Masse der Informatiker an. Bremen muss die “Hidden Champions” der Physik, des Maschinenbaus und der Meeresbiologie rekrutieren. Bauen Sie direkte Kooperationsverträge mit dem Exzellenzcluster “The Ocean Floor” auf, bevor die Talente abwandern.

  4. IP-Strategie “Quality over Quantity”: Da München beim Patentvolumen (EPO/DPMA) uneinholbar ist, setzen Sie auf verteidigungsfähige Nischenpatente. Ein Patent für einen salzwasserbeständigen 3D-Druck-Prozess (Fraunhofer IFAM Know-how) ist mehr wert als zehn generische Software-Patente.

  5. Nutzen Sie das Framework der Wertinnovation: Analysieren Sie Ihre F&E-Prozesse regelmäßig auf Red-Ocean-Anteile. Wo kopieren Sie nur den Wettbewerb? Wo verbrennen Sie Budget? Lesen Sie dazu unseren vert