Branchenreport: BILDUNG & FORSCHUNG (WZ P85)

Erstellt: 18.06.2026 · Datenbasis: VWL-Konjunkturdaten-Cron · Quellen: Destatis, Bundesbank, Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt, DFG, HRK Regionaler Fokus: München · Osnabrück · Ostfriesland


1. Branche in Kürze

Die Branche Bildung & Forschung (WZ P85) umfasst das gesamte Spektrum des Erziehungs- und Unterrichtswesens sowie der Forschungstätigkeit — von Kindertagesstätten über allgemeinbildende Schulen, Berufsbildung und Hochschulen bis hin zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen. In Deutschland ist sie mit rund 2,3 Mio. Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber des öffentlich geprägten Sektors.

Der Schwerpunkt dieses Reports liegt auf den Hochschulen (P85.4) und der Forschung (P85.5) als Exzellenz- und Innovationsmotoren der drei betrachteten Regionen. Im Gegensatz zu klassischen Wirtschaftsbranchen stehen hier nicht Umsatz und Gewinn im Fokus, sondern Studierendenzahlen, Drittmitteleinwerbung und Personalentwicklung als zentrale Leistungskennzahlen.

Die drei Regionen unterscheiden sich erheblich:

KennzahlMünchenOsnabrückOstfriesland
SV-Beschäftigte P85 (ca.)~30.000~6.000~4.000–5.000
Rang im Regionalvergleich8. von 208. von 209. von 20
Wichtigste EinrichtungLMU & TU MünchenUniversität & Hochschule OsnabrückHochschule Emden/Leer
Exzellenzstatus✅ LMU & TU (Exzellenzuniversitäten)

2. Branchenbeschreibung

WZ-Code: P85 — Erziehung und Unterricht

WZ-Einordnung: Die Abteilung P85 gliedert sich nach der WZ 2008 in folgende Gruppen:

WZBezeichnungRelevanz für diesen Report
85.1Kindergärten / VorschuleKontextuell
85.2GrundschulenKontextuell
85.3Sekundar- und Berufsbildende SchulenKontextuell
85.4HochschulenSchwerpunkt
85.5Forschung (außeruniversitär)Schwerpunkt
85.6Sonstiger Unterricht (Sprach-/Musikschulen etc.)Kontextuell

Abgrenzung: Der vorliegende Report konzentriert sich auf den öffentlich geprägten Kern der Branche: staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen) sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (Max-Planck-, Fraunhofer-, Helmholtz-, Leibniz-Institute). Private Bildungseinrichtungen (Sprachschulen, Nachhilfeinstitute, private Hochschulen) werden am Rande erfasst, sind jedoch nicht der primäre Fokus.


3. Branche in Zahlen

3.1 Volkswirtschaftliche Kennzahlen (Deutschland gesamt)

Die Branche P85 ist überwiegend öffentlich finanziert. Die folgende Tabelle zeigt die verfügbaren Strukturdaten für Deutschland:

KennzahlAktuell (2024/2025)VorjahrVeränderung
Beschäftigte (SVB, Mrd.)~2,3 Mio.k. A.Stabil
Hochschulen (Anzahl)~425~423+0,5 %
Studierende (Mio.)~2,9 Mio.~2,95 Mio.−1,7 %
Öffentliche Ausgaben Bildung (Mrd. €)~180 Mrd. €~170 Mrd. €+5,9 %
Drittmittel (Mrd. €)~10,8 Mrd. €~10,5 Mrd. €+2,9 %
Beschäftigte Hochschulen (VZÄ)~760.000~750.000+1,3 %

Quellen: Destatis (Bildungsausgaben, Studierende), HRK (Hochschulen), DFG (Drittmittel) — Daten teils vorläufig.

Konjunkturentwicklung (Destatis): Für die Branche P85 liegen keine direkten Konjunkturindikatoren im monatlichen Destatis-Presseprogramm vor. Relevante Rahmenindikatoren aus der aktuellen Datenbasis (KW 25/2026):

3.2 Kennzahlen des öffentlichen Bildungs- und Forschungssektors

Klassische betriebswirtschaftliche Kennzahlen (Personalaufwandsquote, Eigenkapitalquote, Umsatzrentabilität) sind für den öffentlichen Hochschul- und Forschungssektor nicht anwendbar. Stattdessen werden nachfolgend die relevanten Leistungs- und Strukturkennzahlen dargestellt.

KennzahlDeutschlandTrend
Studierendenzahlen (gesamt)~2,9 Mio.📉 Leicht rückläufig (demografisch)
Studienanfänger (jährlich)~470.000📉 Rückläufig (−3–5 %)
Internationale Studierende~400.000📈 Stark wachsend (+8 %)
Promotionen (jährlich)~29.000Stabil
Professor:innen (Anzahl)~52.000📈 Wachsend (+2 %)
Wissenschaftliches Personal~480.000 VZÄ📈 Wachsend (+2,5 %)
Drittmittelausgaben (Mrd. €)~10,8 Mrd. €📈 Wachsend (+3 %)
DFG-Bewilligungen (Mrd. €)~3,6 Mrd. €📈 Stabil
Frauenanteil Professuren~28 %📈 Steigend (+1–2 % p. a.)
Bildungsausgaben % BIP~4,8 %Stabil (OECD-Ziel: 5,0 %)

Quellen: Destatis (Fachserie 11), HRK, DFG-Förderatlas, Statistisches Bundesamt


4. Branchenwettbewerb

4.1 Wettbewerbsstruktur

Der Hochschul- und Forschungssektor ist nicht primär marktwirtschaftlich organisiert, sondern unterliegt einer Mischung aus staatlicher Steuerung und Wettbewerb um Ressourcen:

4.2 Marktkonzentration

Die „Marktkonzentration" im Hochschulbereich lässt sich anhand der Verteilung von Studierenden, Drittmitteln und Exzellenzauszeichnungen messen:

SegmentAnteil EinrichtungenAnteil StudierendeAnteil Drittmittel
Universitäten~120 (28 %)~1,7 Mio. (59 %)~8,5 Mrd. € (79 %)
Fachhochschulen~220 (52 %)~1,0 Mio. (34 %)~1,5 Mrd. € (14 %)
Kunst-/Musikhochschulen~60 (14 %)~40.000 (1 %)~0,1 Mrd. € (1 %)
Sonstige (Verwaltungs-, Privathochschulen)~25 (6 %)~160.000 (6 %)~0,7 Mrd. € (6 %)

Quellen: HRK, Destatis, DFG-Förderatlas 2024 — Anteile gerundet

4.3 Wichtige Branchenplayer

EinrichtungStandortBesonderheit
LMU MünchenMünchenExzellenzuniversität, ~52.000 Studierende, ~10.000 MA
TU MünchenMünchenExzellenzuniversität, ~50.000 Studierende, ~8.000 MA
Universität OsnabrückOsnabrück~14.000 Studierende, ~2.500 MA, Schwerpunkt Kognitionswissenschaft
Hochschule OsnabrückOsnabrück~16.000 Studierende, ~1.800 MA, Schwerpunkt Agrar/Lebensmittel
Hochschule Emden/LeerEmden/Leer~4.600 Studierende, Schwerpunkt Maritime Technik/Windenergie
Max-Planck-InstituteMünchen (u. a.)Mehrere Institute in München (MPI für Physik, Plasmaphysik, etc.)
Fraunhofer-GesellschaftMünchen (Zentrale)Hauptsitz München, diverse Institute in Bayern

5. Rahmenbedingungen

5.1 Regulatorisch

5.2 Konjunkturell

5.3 Technologisch


6.1 Chancen

6.2 Risiken

6.3 Ausblick

Die Branche Bildung & Forschung steht vor einem ambivalenten Jahrzehnt. Einerseits bleiben Hochschulen und Forschungseinrichtungen zentrale Innovationsmotoren und profitieren von hoher politischer Priorität (Exzellenzstrategie, Fachkräftesicherung, Künstliche Intelligenz). Andererseits verschärft die demografische Entwicklung den Wettbewerb um Studierende und wissenschaftlichen Nachwuchs.

Für die Region München ergibt sich eine komfortable Ausgangslage: Mit zwei Exzellenzuniversitäten, hoher Drittmittelstärke und starker Wirtschaft bleibt München ein Top-Standort für Bildung und Forschung. Osnabrück profitiert von seiner Größe und den etablierten Forschungsschwerpunkten. Ostfriesland hingegen steht vor der Herausforderung, die Hochschule Emden/Leer als regionalen Anker zu stärken — hier werden Profilbildung (Maritime Technik, Windenergie, KI) und Kooperationen mit der Wirtschaft entscheidend sein.


7. Regionaler Fokus

7.1 Metropolregion München

KennzahlWert
SV-Beschäftigte P85 (ca.)~30.000 (Rang 8 der Region)
TrendStabil
Anteil an Gesamt-SVB Region~3–4 %

Schlüsseleinrichtungen:

EinrichtungBeschäftigteStudierendeBesonderheit
LMU München~10.000~52.000Exzellenzuniversität, Spitzenforschung in Medizin, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften
TU München~8.000~50.000Exzellenzuniversität, Spitze in Ingenieurwissenschaften, KI, Life Sciences
Hochschule München~1.500~18.000Größte Hochschule für angewandte Wissenschaften Bayerns

Exzellenzstatus: Die LMU und die TU München gehören zu den elf Exzellenzuniversitäten Deutschlands und erhalten über die Exzellenzstrategie zusätzliche Förderung. Die TUM ist zudem eine der drei deutschen Universitäten, die im internationalen Vergleich (THE, QS) unter den Top 50 rangieren.

Forschungsinfrastruktur: München beherbergt eine außergewöhnlich hohe Dichte an außeruniversitären Forschungseinrichtungen:

Drittmittelstärke: LMU und TUM gehören zu den TOP 5 der drittmittelstärksten Universitäten Deutschlands (DFG-Förderatlas). Die TUM führt die Rangliste der DFG-Bewilligungen in den Ingenieurwissenschaften an.

Herausforderung: Wachstumsdruck bei Wohnraum für Studierende und Fachkräfte — München ist die teuerste Studierendenstadt Deutschlands.

7.2 Region Osnabrück

KennzahlWert
SV-Beschäftigte P85 (ca.)~6.000 (Rang 8 der Region)
TrendStabil
Anteil an Gesamt-SVB Region~4–5 %

Schlüsseleinrichtungen:

EinrichtungBeschäftigteStudierendeBesonderheit
Universität Osnabrück~2.500~14.000Schwerpunkte: Kognitionswissenschaft, Migrationsforschung, Rechtswissenschaften
Hochschule Osnabrück~1.800~16.000Schwerpunkte: Agrarwirtschaft, Lebensmitteltechnologie, Ingenieurwissenschaften

Forschungsschwerpunkte: Die Universität Osnabrück profiliert sich national und international in der Kognitionswissenschaft (mit eigenem Forschungskolleg), der Migrations- und Demokratieforschung (Institut für Migrationsforschung) sowie den Rechtswissenschaften (Europarecht, Medienrecht). Die Hochschule Osnabrück ist stark in den angewandten Wissenschaften, insbesondere Agrar- und Lebensmittelwirtschaft (eigene Versuchsbetriebe) und Ingenieurwesen.

Drittmittel: Beide Einrichtungen bewegen sich im mittleren Bereich der DFG-Rangliste. Die Universität Osnabrück punktet in den Geistes- und Sozialwissenschaften, die Hochschule Osnabrück in angewandter Forschung (BMBF, EU, Industrie).

Regionale Bedeutung: Die beiden Hochschulen zählen zu den größten Arbeitgebern der Stadt und prägen maßgeblich das wirtschaftliche und kulturelle Profil Osnabrücks. Rund 30.000 Studierende (bei ~165.000 Einwohnern) machen Osnabrück zu einer der studierendendichtesten Städte Niedersachsens.

Herausforderung: Fachkräftesicherung in MINT-Fächern, steigender Wettbewerbsdruck durch nahegelegene Universitäten (Münster, Bielefeld, Hannover).

7.3 Region Ostfriesland

KennzahlWert
SV-Beschäftigte P85 (ca.)~4.000–5.000 (Rang 9 der Region)
TrendStabil
Anteil an Gesamt-SVB Region~2,5–3 %

Schlüsseleinrichtung:

EinrichtungBeschäftigteStudierendeBesonderheit
Hochschule Emden/Leer~700–900 (geschätzt)~4.600Schwerpunkte: Maritime Technik, Windenergie, Soziale Arbeit, Technische Informatik

Forschungsschwerpunkte: Die Hochschule Emden/Leer ist eine Fachhochschule (Hochschule für angewandte Wissenschaften) mit zwei Standorten. Forschungsschwerpunkte sind:

Regionale Bedeutung: Die Hochschule ist der zentrale Akademisierungsmotor für Ostfriesland. Sie bietet duale Studiengänge in Kooperation mit regionalen Unternehmen (VW Emden, Enercon, maritime Wirtschaft) und ist entscheidend für die Fachkräftesicherung in der Region — insbesondere in den Bereichen Ingenieurwesen, Informatik und Soziale Arbeit.

Herausforderungen:

Potenzial: Die Hochschule Emden/Leer hat ein klares regionsspezifisches Profil (Maritim, Windenergie), das sie von anderen Hochschulen abhebt und gezielt ausbauen kann. Die Energiewende und der Ausbau der Windenergie bieten langfristige Forschungsperspektiven.


Quellen


Automatisch erstellt aus der VWL-Datenbasis für strategyisdead.com Nächste Aktualisierung: 18.07.2026