Branchenreport: Gastronomie & Beherbergung (WZ I — I56 Gastronomie + I55 Beherbergung)

Erstellt: 18.06.2026 · Datenbasis: VWL-Konjunkturdaten-Cron · Quellen: Destatis, Bundesbank, Eurostat, World Bank Regionaler Fokus: München · Osnabrück · Ostfriesland


1. Branche in Kürze

Das Gastgewerbe (WZ I — Gastronomie I56 + Beherbergung I55) zählt zu den bedeutendsten konsumnahen Dienstleistungsbranchen Deutschlands. Mit rund 230.000 Betrieben und etwa 1,9 Mio. Beschäftigten (einschließlich geringfügig Beschäftigter) ist es ein zentraler Wirtschaftsfaktor, insbesondere in tourismusstarken Regionen. Der Gastgewerbeumsatz blieb im April 2026 real unverändert zum Vormonat, nominal stieg er um +0,4 % (Destatis, 18.06.2026). Die Branche steht unter Druck durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise (Großhandelspreise +5,9 % im Mai 2026) sowie den Fachkräftemangel, profitiert aber von Tariflohnsteigerungen (+2,6 %) und der leichten BIP-Erholung (+0,3 % im Q1 2026). Regional zeigen sich extreme Unterschiede: München als internationale Tourismusmetropole mit Oktoberfest und Messe-Geschäft, Osnabrück mit moderatem Kongress- und Tagungstourismus und Ostfriesland mit hochsaisonalem Küsten- und Inseltourismus, wo die Branche zu den TOP-3 der regionalen Wirtschaftszweige zählt.

KennzahlWert
Betriebe Deutschland (WZ I, geschätzt)~230.000
SV-Beschäftigte Deutschland (WZ I, geschätzt)~1,1 Mio.
Beschäftigte inkl. Mini-/Saisonjobs~1,9 Mio.
Umsatz Gastgewerbe DE 2025 (nominal)~105 Mrd. €
Gastgewerbeumsatz April 2026 (real, Vormonat)0,0 % (unverändert)
Gastgewerbeumsatz April 2026 (nominal, Vormonat)+0,4 %
Großhandelspreise Mai 2026 (Vj.)+5,9 %
BIP-Wachstum DE Q1 2026+0,3 %
Tariflohnentwicklung 2026+2,6 % (EZB Wage Tracker)

2. Branchenbeschreibung

WZ-Code: I — Gastgewerbe

WZ-Einordnung:

Das Gastgewerbe (Abschnitt I) gliedert sich in zwei Hauptabteilungen:

Abgrenzung: Der vorliegende Report fokussiert auf das Gastgewerbe im engeren Sinne (I55 + I56). Nicht umfasst sind die Systemgastronomie im Lebensmitteleinzelhandel (z. B. SB-Restaurants in Warenhäusern, die dem Handel zuzurechnen sind) sowie die Gemeinschaftsverpflegung in Krankenhäusern, Altenheimen und Betrieben, soweit diese unter Q (Gesundheits-/Sozialwesen) oder sonstige WZ-Klassen fällt. Die Abgrenzung zwischen Gastronomie und Beherbergung ist fließend, da viele Beherbergungsbetriebe zugleich Gastronomie anbieten (Hotelrestaurants, Frühstücksservice, Halbpension). Saisonbetriebe (Kioske, Strandimbisse, Eiscafés) sind nach WZ-Definition grundsätzlich der Gastronomie zugeordnet.


3. Branche in Zahlen

3.1 Volkswirtschaftliche Kennzahlen

KennzahlAktuellVorjahrVeränderung
Anzahl Betriebe (Geschätzt, DE)~230.000~228.000+0,9 %
SV-Beschäftigte (Geschätzt, DE)~1.100.000~1.080.000+1,9 %
Umsatz Gastgewerbe (Mrd. €)~105~100+5,0 % (nominal)
Umsatz pro Beschäftigtem (€)~55.000 (inkl. Mini-Jobber)
Durchschnittliche Betriebsgröße~4–5 SVB / ~8 MA gesamt
Ausfallrate~3–5 % jährlich~4–6 %Stabil bis leicht rückläufig

Konjunkturentwicklung (Destatis):

3.2 Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Hinweis: Die folgenden Kennzahlen basieren auf DSGV-Benchmarking-Daten für das Gastgewerbe (WZ I). Aufgrund der Heterogenität der Branche (Hotel vs. Imbiss, Luxus vs. Systemgastro) sind Spannbreiten angegeben.

KennzahlAktuellTrend
Personalaufwandsquote30–38 %Steigend (Fachkräftemangel, Mindestlohn, Tarifsteigerungen)
Materialaufwandsquote25–35 %Steigend (Lebensmittelpreise, Energie)
Eigenkapitalquote15–30 %Leicht sinkend (Corona-Nachwirkungen, Investitionsstau)
Umsatzrentabilität2–6 %Unter Druck (Kostensteigerungen > Preisanpassungen)
Anlagendeckung40–60 %Stabil (hohe Investitionen in Renovierung/Ausstattung)
Bankverbindlichkeitenquote30–50 %Erhöht (Corona-Hilfen, Wiederaufbaukredite, Modernisierung)

4. Branchenwettbewerb

4.1 Wettbewerbsstruktur

Das Gastgewerbe ist durch eine extreme Fragmentierung geprägt: Über 95 % der Betriebe haben weniger als 20 Beschäftigte. Der Markt wird dominiert von inhabergeführten Einzelbetrieben (Familienrestaurants, Hotels, Gasthöfe, Cafés). Parallel dazu haben sich starke Systemgastronomie-Ketten und Hotelkonzerne etabliert, die insbesondere in Großstädten und an Verkehrsknotenpunkten präsent sind.

Wettbewerbstreiber:

4.2 Marktkonzentration

SegmentAnteil BetriebeAnteil Umsatz
Kleine Unternehmen (< 10 MA)~90 %~45 %
Mittlere Unternehmen (10–49 MA)~8 %~30 %
Große Unternehmen (50+ MA)~2 %~25 %

4.3 Wichtige Branchenplayer

Systemgastronomie (Deutschland):

Hotellerie (Deutschland):

Catering / Gemeinschaftsverpflegung:


5. Rahmenbedingungen

5.1 Regulatorisch

5.2 Konjunkturell

5.3 Technologisch


6.1 Chancen

6.2 Risiken

6.3 Ausblick

Das Gastgewerbe bewegt sich 2026 in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld mit einer realen Stagnation der Umsätze bei gleichzeitig steigenden Kosten. Die nominalen Umsatzsteigerungen werden durch Preis- und Kostensteigerungen (Energie, Lebensmittel, Personal) aufgezehrt. Für das Gesamtjahr 2026 ist real mit einer Stagnation bis maximal +0,5 % zu rechnen, nominal mit einem Wachstum von +2,5 bis +3,5 % — nahezu vollständig inflationsgetrieben.

Die strukturelle Polarisierung setzt sich fort: Große Systemgastronomie-Ketten und Hotelkonzerne mit Skaleneffekten und professionellem Kostenmanagement können die Herausforderungen besser abfedern als inhabergeführte Kleinbetriebe. Letztere müssen sich über Qualität, Regionalität, Erlebnisorientierung und persönliche Gästebindung differenzieren, um zu überleben.

Der Fachkräftemangel bleibt die größte strukturelle Herausforderung. Ohne eine Attraktivitätssteigerung der Branche (bessere Arbeitszeiten, höhere Löhne, Karriereperspektiven, Digitalisierung zur Entlastung) werden viele Betriebe ihr Angebot einschränken oder schließen müssen.

Positiv zu bewerten sind die anhaltende Reiselust der Deutschen (Inlandstourismus), die leichte konjunkturelle Erholung sowie die Chancen durch Digitalisierung und Nachhaltigkeitstrends. Regionen mit starker touristischer Anziehungskraft (München mit Oktoberfest und Messe, Ostfriesland mit Nordseeküste und Inseln) sind besser positioniert als strukturschwache Regionen ohne touristisches Alleinstellungsmerkmal.


7. Regionaler Fokus

7.1 Metropolregion München

Die Gastronomie & Beherbergung (WZ I) ist für die Landeshauptstadt München ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Die Branche umfasst schätzungsweise ~35.000 SV-Beschäftigte in der Gastronomie und ~12.000 SV-Beschäftigte in der Beherbergung (Rang 4–5 aller Branchen in der Stadt). München ist eine der tourismusstärksten Städte Deutschlands mit rund 5 Mio. Übernachtungen pro Jahr (Vorkrisenniveau erreicht) und einem hohen Anteil internationaler Gäste.

Besonderheiten der Münchner Gastronomie- und Hotellandschaft:

Herausforderungen: München hat deutschlandweit die höchsten Gewerbemieten in 1a-Lagen (Marienplatz, Altstadt) — bis zu 100+ €/m² Kaltmiete für Gastronomieflächen. Die Personalkosten sind überdurchschnittlich (höhere Lebenshaltungskosten, stärkere Konkurrenz durch andere Branchen). Hinzu kommt ein hoher Regulierungsdruck (Lärmschutz in Wohngebieten, Außengastronomie-Konzessionen, begrenzte Aufstellflächen für Biergärten).

7.2 Region Osnabrück

Die Gastronomie & Beherbergung in Osnabrück hat rund ~5.000–6.000 SV-Beschäftigte (Rang 5–6 aller Branchen in der Region). Osnabrück ist keine klassische Tourismushochburg, profitiert aber von einem stabilen Kongress- und Tagungsgeschäft sowie von seiner Funktion als Oberzentrum für das Osnabrücker Land und das nördliche Münsterland.

Besonderheiten der Osnabrücker Gastronomie- und Hotellandschaft:

Herausforderungen: Die Nachfrage in der Gastronomie ist stark von der lokalen Kaufkraft abhängig — Osnabrück liegt beim verfügbaren Einkommen im niedersächsischen Mittelfeld. Die Hotellerie hat wenig Preissetzungsmacht außerhalb von Spitzenzeiten. Der Fachkräftemangel ist auch in Osnabrück spürbar, aber weniger akut als in München oder Ostfriesland (geringere Konkurrenz durch andere Branchen).

7.3 Region Ostfriesland

Die Gastronomie & Beherbergung (WZ I) ist in Ostfriesland eine der TOP-3 Branchen (nach Gesundheitswesen und Öffentlicher Verwaltung). Die Region umfasst die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund und die kreisfreie Stadt Emden. Geschätzt ~10.000–12.000 SV-Beschäftigte arbeiten im Gastgewerbe, mit einer enormen saisonalen Schwankungsbreite von bis zu 50 % zwischen Sommer- und Wintersaison.

Die ostfriesische Tourismuswirtschaft ist durch drei Säulen geprägt:

  1. Nordseeinseln (Ostfriesische Inseln): Borkum, Norderney, Juist, Langeoog, Spiekeroog und Baltrum zählen zu den beliebtesten deutschen Urlaubszielen. Der Beherbergungssektor dominiert — Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Jugendherbergen und Campingplätze. Die Inseln sind autofrei (Ausnahme: Borkum, Norderney) und in der Hauptsaison (Juli/August) nahezu ausgebucht. Die Gastronomie auf den Inseln ist hochpreisig und saisonal (Fischrestaurants, Strandimbisse, Cafés, Inselbrauereien).

  2. Küstenorte und Deichregion: Die Nordseeküste zwischen Emden und Wilhelmshaven — Orte wie Norddeich, Greetsiel, Carolinensiel, Dornumersiel, Neuharlingersiel, Bensersiel und Horumersiel — bietet eine Mischung aus Tagestourismus, Kurzurlauben und Fährverkehr zu den Inseln. Die Gastronomie ist stark fischgeprägt (Fischbrötchen, Krabben, Matjes, Räucherfisch). Die Beherbergung umfasst viele kleine Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze.

  3. Binnenland (Hinterland): Die Städte Aurich, Leer, Emden und Wittmund mit ihrem Umland fungieren als Versorgungszentren. Hier konzentriert sich die gastronomische Grundversorgung (Alltagsgastronomie, Berufsverkehrsverpflegung) sowie Hotels für Geschäftsreisende. Leer als Hafenstadt und Emden mit der Volkswagen-Werksansiedlung haben ein eigenes Standbein für die Hotel-Gastronomie.

Saisonalität als prägendes Merkmal:

Besonderheiten:

Herausforderungen: Die extreme Saisonalität erschwert die ganzjährige Wirtschaftlichkeit — Fixkosten (Mieten, Versicherungen, Instandhaltung) müssen in wenigen Monaten erwirtschaftet werden. Der Klimawandel (steigende Meeresspiegel, Küstenschutz, Wetterextreme) ist ein langfristiges Risiko für den Küsten- und Inseltourismus. Die Anbindung ans Festland (Fährverkehr, insbesondere bei Sturmfluten) ist eine logistische Dauerherausforderung. Der Preisdruck durch Ferienwohnungs-Plattformen (Airbnb, FeWo-direkt) verändert den lokalen Wohnungsmarkt und sorgt für Spannungen mit der einheimischen Bevölkerung.


Quellen


Automatisch erstellt aus der VWL-Datenbasis für strategyisdead.com Nächste Aktualisierung: 16.07.2026