Branchenreport: Luft- & Raumfahrt (WZ C30 — Sonstiger Fahrzeugbau)

Erstellt: 18.06.2026 · Datenbasis: VWL-Konjunkturdaten-Cron · Quellen: Destatis, Bundesbank, Eurostat, World Bank Regionaler Fokus: München


1. Branche in Kürze

Der Sonstige Fahrzeugbau (WZ C30) umfasst die drei Teilbranchen Luftfahrzeugbau (C30.1), Schienenfahrzeuge (C30.2) und Raumfahrt (C30.3). Er ist ein hochtechnologischer, exportorientierter Sektor mit überdurchschnittlicher Forschungsintensität. Deutschlandweit sind rund 185.000 SV-Beschäftigte in der Branche tätig (Schätzung Destatis/BA), der Umsatz liegt bei geschätzt 55 Mrd. € (2025).

München ist mit 52.000 SV-Beschäftigten (Rang 3 aller Münchner Branchen) der bedeutendste Luft- und Raumfahrtstandort Deutschlands. Die Branche wird dominiert von Global Playern wie MTU Aero Engines, Airbus Helicopters, Airbus Defence and Space und dem Flughafen München. Hinzu kommt der Raumfahrtsektor mit OHB und dem DLR Oberpfaffenhofen.

Die konjunkturelle Erholung (+0,3 % BIP Q1 2026) und steigende Auftragsbestände (+0,4 % im Verarbeitenden Gewerbe) geben kurzfristigen Rückenwind. Die Branche profitiert zudem vom Bundeswehr-Sondervermögen (100 Mrd. €) und steigenden Verteidigungsausgaben. Hauptrisiken sind die US-Zollpolitik, steigende Rohstoff- und Energiepreise (+5,9 % Großhandelspreise Mai 2026) und der Fachkräftemangel am Hochpreisstandort München.

KennzahlWert
SV-Beschäftigte München (WZ C30)52.000
SV-Beschäftigte Deutschland (WZ C30, geschätzt)~185.000
Betriebe München (WZ C30, geschätzt)~120
Umsatz Branche DE 2025 (geschätzt)~55 Mrd. €
Auftragsbestand Verarb. Gewerbe Apr. 2026 (Vormonat)+0,4 %
BIP-Wachstum DE Q1 2026+0,3 %
Großhandelspreise Mai 2026 (Vj.)+5,9 %
Tariflohnentwicklung 2026+2,6 % (EZB Wage Tracker)

2. Branchenbeschreibung

WZ-Code: C30 — Sonstiger Fahrzeugbau

WZ-Einordnung:

Die Abteilung C30 umfasst drei Hauptgruppen:

Abgrenzung: Der Report fokussiert auf den gesamten Sonstigen Fahrzeugbau (C30) mit Schwerpunkt auf den Münchner Kernsegmenten Luftfahrt (C30.1) und Raumfahrt (C30.3). Nicht enthalten sind der Fahrzeughandel (G45), die Instandhaltung/Reparatur von Luftfahrzeugen (C33.16 – *sofern nicht C30.1-Konzern zugehörig*), die reine Luftverkehrsdienstleistung (H51) sowie die vorgelagerte Elektronikfertigung (C26), soweit sie nicht von Luft- und Raumfahrtkonzernen betrieben wird. Die Abgrenzung zum Verteidigungssektor (O84) ist fließend, da viele Unternehmen (Airbus Defence, MTU) sowohl zivile als auch militärische Produkte entwickeln.


3. Branche in Zahlen

3.1 Volkswirtschaftliche Kennzahlen

Hinweis: Die folgenden Kennzahlen basieren auf Schätzwerten für WZ C30 auf Basis von Destatis-Strukturdaten, Bundesagentur-für-Arbeit-Daten und Branchenverbänden (BDLI). Aktuelle, finale Jahreszahlen für 2025/2026 liegen in vollem Umfang noch nicht vor. Die Münchner Werte basieren auf BA-Regionalstatistik und Stadtdaten.

KennzahlAktuellVorjahrVeränderung
Anzahl Betriebe (München, geschätzt)~120~120Stabil
Beschäftigte (München)~52.000~51.000+2,0 %
Beschäftigte (DE, geschätzt)~185.000~182.000+1,6 %
Umsatz (DE, Mrd. €, geschätzt)~55~53+3,8 % (nominal)
Umsatz pro Beschäftigtem (DE, €, geschätzt)~297.000
Durchschnittliche Betriebsgröße (München)~433 MA
Ausfallratek. A.k. A.Stabil (geringe Insolvenzquote)

Konjunkturentwicklung (Destatis):

3.2 Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Hinweis: Die folgenden Kennzahlen basieren auf DSGV-Benchmarking-Daten für das Verarbeitende Gewerbe sowie Branchenpublikationen (BDLI, Geschäftsberichte MTU/Airbus). Aktuelle veröffentlichte Werte liegen derzeit nicht vollständig vor.

KennzahlAktuellTrend
Personalaufwandsquote25–35 %Steigend (Fachkräftemangel, Tariferhöhungen +2,6 %)
Materialaufwandsquote45–55 %Steigend (Titan, Aluminium, Sonderlegierungen)
Eigenkapitalquote30–50 %Stabil bis steigend (staatliche Aufträge, Vorfinanzierung)
Umsatzrentabilität3–8 %Stabil (defensives Geschäftsmodell)
Anlagendeckung65–85 %Stabil
Bankverbindlichkeitenquote20–35 %Leicht steigend (Transformationsinvestitionen)

4. Branchenwettbewerb

4.1 Wettbewerbsstruktur

Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie ist durch eine oligopolistische Struktur mit wenigen, global agierenden Konzernen und einer hochspezialisierten Zulieferpyramide geprägt. Auf der Erstausrüster-Ebene (OEM) dominieren:

Die Zulieferpyramide (Tier-1 bis Tier-3) umfasst technologisch führende Spezialisten für Fahrwerkstechnik (Liebherr), Kabinensysteme (Diehl Aviation), Avionik (Hensoldt), Triebwerkskomponenten (MTU, Rolls-Royce), Leichtbaustrukturen (Premium Aerotec) und Testsysteme.

Wettbewerbstreiber:

4.2 Marktkonzentration

SegmentAnteil BetriebeAnteil Umsatz
Kleine Unternehmen (< 10 MA)~55 %~3 %
Mittlere Unternehmen (10–49 MA)~25 %~8 %
Große Unternehmen (50+ MA)~20 %~89 %

4.3 Wichtige Branchenplayer

Luftfahrt — München & Region:

Raumfahrt:

Schienenfahrzeuge (C30.2) — München:

Weitere relevante Akteure mit München-Bezug:


5. Rahmenbedingungen

5.1 Regulatorisch

5.2 Konjunkturell

5.3 Technologisch


6.1 Chancen

6.2 Risiken

6.3 Ausblick

Der Sonstige Fahrzeugbau (WZ C30) in München steht vor einer gespaltenen Entwicklung:

Der militärische Luftfahrtsektor (MTU, Airbus Helicopters, Airbus Defence) profitiert von der sicherheitspolitischen Zeitenwende mit massiv steigenden Verteidigungsausgaben. Die Auftragsbücher sind auf Jahre gefüllt, der Bund als verlässlicher Auftraggeber sichert die Grundauslastung. Die zivile Luftfahrt erholt sich zwar langsam von der COVID-Krise, steht aber unter starkem Dekarbonisierungsdruck. Die Transformation zu Wasserstoff- und SAF-Technologie wird Milliardeninvestitionen erfordern und die Branchenstruktur verändern.

Der Raumfahrtsektor (OHB, DLR, Airbus Defence) profitiert von der wachsenden Bedeutung satellitengestützter Kommunikation, Navigation und Erdbeobachtung (Galileo, Copernicus, IRIS²). New Space setzt die etablierte Industrie jedoch unter Kostendruck — die Antwort muss über Effizienzsteigerung und Kooperation (ESA, DLR, Industrie) erfolgen.

Der Schienenfahrzeugbau (Siemens Mobility) profitiert langfristig vom Green-Deal-getriebenen Ausbau des Schienenverkehrs. Die Elektrifizierung, Digitalisierung (ETCS, ATO) und der Bedarf an Kapazitätserweiterung treiben die Nachfrage.

München bleibt als bedeutendster deutscher Luft- und Raumfahrtstandort (52.000 SVB) hervorragend positioniert. Die einmalige Konzentration von Industrie, Forschung (TU München, DLR, Fraunhofer) und internationalen Netzwerken sichert die Innovationsbasis. Die Hauptrisikofaktoren sind der Fachkräftemangel (Hochpreisstandort, demografische Lücke) und die US-Zollpolitik (exportlastige Branche). Die kommenden 5 Jahre werden zeigen, ob der Standort seine technologische Führerschaft in der defensiven Luftfahrt und der grünen Transformation behaupten kann.


7. Regionaler Fokus

7.1 Metropolregion München

München ist mit 52.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Rang 3 aller Branchen) der bedeutendste Luft- und Raumfahrtstandort Deutschlands. Die Branche konzentriert sich auf wenige, global agierende Großunternehmen, die den Standort München als Hauptsitz, F&E-Zentrum oder Produktionsstandort nutzen.

Die wichtigsten Arbeitgeber:

Standortfaktoren München:

Besonderheiten des Münchner Clusters:

Die einmalige Dichte der Luft- und Raumfahrtindustrie in einer deutschen Metropolregion ist einzigartig. Während andere Standorte (Bremen, Hamburg, Augsburg) einzelne Segmente bedienen, deckt München die gesamte Wertschöpfungskette ab: Triebwerke (MTU), Hubschrauber (Airbus Helicopters), Verteidigung (Airbus Defence, Hensoldt), Raumfahrt (Airbus Defence, OHB, DLR), Schienenfahrzeuge (Siemens Mobility) und Flughafeninfrastruktur. Diese Diversifikation macht die Branche weniger anfällig für konjunkturelle oder politische Einzelschocks.

Die starke Exportorientierung (>60 % Umsatzanteil) ist gleichzeitig Stärke und Risiko. Neue US-Zölle auf Luftfahrtprodukte, geopolitische Handelsrestriktionen oder Währungsschwankungen treffen München direkt. Die Abhängigkeit von US-Exportkontrollen (ITAR) in der Triebwerksentwicklung und die Nähe zu US-Partnern (Pratt & Whitney, GE) machen die Branche verwundbar gegenüber transatlantischen Spannungen.


Quellen


Automatisch erstellt aus der VWL-Datenbasis für strategyisdead.com Nächste Aktualisierung: 16.07.2026