Branchenreport: Metallverarbeitung (WZ C24 + C25 — Metallerzeugung und -bearbeitung / Herstellung von Metallerzeugnissen)

Erstellt: 18.06.2026 · Datenbasis: VWL-Konjunkturdaten-Cron · Quellen: Destatis, Bundesbank, Eurostat, World Bank Regionaler Fokus: Osnabrück · München · Ostfriesland (Kurzvergleich)


1. Branche in Kürze

Die Metallverarbeitung (WZ C24 — Metallerzeugung und -bearbeitung + WZ C25 — Herstellung von Metallerzeugnissen) ist das industrielle Fundament der deutschen Volkswirtschaft und eine Schlüsselbranche für die Region Osnabrück. Mit geschätzt rund 120.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland allein im Kern der Metallbearbeitung und mehreren Hunderttausend in der erweiterten Wertschöpfungskette ist sie eine der beschäftigungsstärksten Industriebranchen. Die konjunkturelle Erholung des BIP (+0,3 % in Q1 2026) und steigende Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe (+0,4 % im April 2026) geben Rückenwind. Demgegenüber stehen massive Kostenbelastungen: Die Großhandelspreise stiegen im Mai 2026 um +5,9 % zum Vorjahr, getrieben durch die kriegsbedingten Energie- und Rohstoffpreissprünge (Nahost-Konflikt), was die energieintensive Metallindustrie besonders trifft. Die IG-Metall-Tarifrunde 2026 bringt mit +2,6 % moderate Lohnsteigerungen. Regional ist Osnabrück mit rund 5.000 SV-Beschäftigten (Rang 10 der Branchen in der Region) das industrielle Zentrum für Metallverarbeitung — getragen von KME (Kupferverarbeitung) und der Georgsmarienhütte (Stahl) im Landkreis.

KennzahlWert
SV-Beschäftigte Deutschland (C24+C25, geschätzt)~120.000 (C24) + ~580.000 (C25)
Betriebe Deutschland (C24+C25, geschätzt)~2.200 (C24) + ~28.000 (C25)
Umsatz Branche DE 2025 (geschätzt, C24+C25)~130 Mrd. € (C24) + ~225 Mrd. € (C25)
Auftragsbestand Verarb. Gewerbe Apr. 2026 (Vormonat)+0,4 %
BIP-Wachstum DE Q1 2026+0,3 %
Großhandelspreise Mai 2026 (Vj.)+5,9 %
Tariflohnentwicklung 2026 (Metall/Elektro)+2,6 % (EZB Wage Tracker)
SV-Beschäftigte Osnabrück (C24+C25)~5.000 (Rang 10)

2. Branchenbeschreibung

WZ-Code: C24 — Metallerzeugung und -bearbeitung + C25 — Herstellung von Metallerzeugnissen

WZ-Einordnung:

Die Abteilung C24 (Metallerzeugung und -bearbeitung) umfasst drei Hauptgruppen:

Die Abteilung C25 (Herstellung von Metallerzeugnissen) umfasst:

Abgrenzung: Der Report fasst die beiden eng verwobenen WZ-Klassen C24 und C25 zusammen, da sie in der Region Osnabrück eine gemeinsame industrielle Wertschöpfungskette bilden. Nicht enthalten sind der Maschinenbau (C28 — Abnehmer von Metallkomponenten), die Fahrzeugindustrie (C29 — eigener Report) und der Handel mit Metallen (G46). Die Abgrenzung zu Gießereien und Schmieden (C24.5/C25.5) ist in der Branchenpraxis fließend, ebenso zur Kunststoffverarbeitung (C22 — zunehmend Hybridbauteile).


3. Branche in Zahlen

3.1 Volkswirtschaftliche Kennzahlen

Hinweis: Die Kennzahlen basieren auf Destatis-Strukturdaten (Umsatzsteuerstatistik, Betriebspanel), Verbandszahlen (Wirtschaftsvereinigung Stahl, WV Metalle, Bundesverband Metall e. V.) und Bundesagentur-für-Arbeit-Daten. Endgültige Jahreszahlen für 2025/2026 liegen noch nicht vollständig vor.

KennzahlAktuellVorjahrVeränderung
Anzahl Betriebe C24 (DE)~2.200~2.200Stabil
Anzahl Betriebe C25 (DE)~28.000~28.500−1,8 %
Beschäftigte C24 (DE)~120.000~122.000−1,6 %
Beschäftigte C25 (DE)~580.000~585.000−0,9 %
Umsatz C24 (Mrd. €)~130~125+4,0 % (nominal)
Umsatz C25 (Mrd. €)~225~215+4,7 % (nominal)
Umsatz pro Beschäftigtem C24 (€)~1.083.000
Umsatz pro Beschäftigtem C25 (€)~388.000
Durchschnittliche Betriebsgröße C24~55 MA
Durchschnittliche Betriebsgröße C25~21 MA
AusfallrateNiedrigNiedrigStabil (Branche mit hoher Resilienz)

Konjunkturentwicklung (Destatis):

3.2 Betriebswirtschaftliche Kennzahlen

Hinweis: Die Kennzahlen basieren auf DSGV-Benchmarking-Daten für das Verarbeitende Gewerbe sowie Branchenpublikationen (Wirtschaftsvereinigung Stahl, WV Metalle, Bundesverband Metall). Aktuelle veröffentlichte Werte liegen nicht vollständig vor.

KennzahlAktuellTrend
Personalaufwandsquote20–28 %Steigend (Tariflohn +2,6 %, Fachkräftemangel)
Materialaufwandsquote50–65 %Steigend (hohe Rohstoff- und Energiepreise)
Eigenkapitalquote25–40 %Stabil (mittelständisch geprägt) / Sinkend (Großbetriebe)
Umsatzrentabilität3–7 %Unter Druck (Energiekosten, Rohstoffpreise)
Anlagendeckung (Anlagenintensität)55–75 %Sinkend (Abschreibungen, Digitalisierungsinvestitionen)
Bankverbindlichkeitenquote30–50 %Steigend (Transformations- und Ertüchtigungsinvestitionen)

Besonderheiten der Metallverarbeitung:


4. Branchenwettbewerb

4.1 Wettbewerbsstruktur

Die deutsche Metallverarbeitung ist durch eine duale Struktur gekennzeichnet:

  1. Großindustrie (C24): Die Metallerzeugung (Stahl, Aluminium, Kupfer) ist hochkonzentriert — wenige integrierte Hüttenwerke und Walzwerke dominieren. Wettbewerber sind global: thyssenkrupp, Salzgitter, ArcelorMittal, Georgsmarienhütte, KME, Aurubis, Trimet. Der Wettbewerb findet auf europäischer und globaler Ebene statt (CO₂-Grenzausgleich, chinesische Stahl-Exporte, Schrottmarkt).

  2. Mittelständische Fertigung (C25): Die Herstellung von Metallerzeugnissen ist extrem fragmentiert — tausende mittelständische Unternehmen mit oft spezialisierten Nischen (Stahlbau, Oberflächenveredelung, Schmiedeteile, Werkzeugbau). Der Wettbewerb ist regional und qualitätsgetrieben.

Wettbewerbstreiber:

4.2 Marktkonzentration

SegmentAnteil Betriebe (C24)Anteil Umsatz (C24)Anteil Betriebe (C25)Anteil Umsatz (C25)
Kleine Unternehmen (< 10 MA)~45 %~3 %~75 %~15 %
Mittlere Unternehmen (10–49 MA)~25 %~8 %~17 %~30 %
Große Unternehmen (50+ MA)~30 %~89 %~8 %~55 %

Interpretation: Die C24 (Metallerzeugung) ist hochgradig konzentriert: Wenige Großunternehmen (Hütten, Walzwerke) erzeugen den Großteil des Umsatzes. Die C25 (Metallerzeugnisse) ist dagegen stark mittelständisch geprägt: Die große Mehrheit der Betriebe sind Kleinbetriebe, aber die mittelständischen Unternehmen (10–49 MA) und die größeren (50+ MA) teilen sich den Umsatz.

4.3 Wichtige Branchenplayer

Primärmetallerzeugung (C24):

Metallerzeugnisse (C25) — Auswahl:


5. Rahmenbedingungen

5.1 Regulatorisch

5.2 Konjunkturell

5.3 Technologisch


6.1 Chancen

6.2 Risiken

6.3 Ausblick

Die Metallverarbeitung (C24+C25) steht vor einer zweifachen Transformation: der Dekarbonisierung (Weg von fossilen Energieträgern) und der Digitalisierung (Industrie 4.0, Automatisierung). Kurzfristig (2026) sorgt die leichte BIP-Erholung (+0,3 %) für moderate Nachfragebelebung, die von steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (+5,9 % Großhandelspreise) jedoch überlagert wird. Die Auftragsbestände (+0,4 %) signalisieren Stabilität, jedoch keine starke Dynamik.

Mittelfristig (2026–2028) wird die Energiekostenbelastung zum entscheidenden Standortfaktor. Unternehmen mit Zugang zu günstigem Strom (Eigenstromerzeugung, Strompreiskompensation) und hohem Recyclinganteil (Georgsmarienhütte, KME) sind im Vorteil. Die grüne Transformation wird sich beschleunigen — getrieben durch EU-Regulierung (CBAM, EU ETS) und Kundenanforderungen (Automotive-Forderung nach CO₂-armem Stahl). Rein primärproduzierende Standorte ohne Recyclingbasis geraten unter Druck.

Langfristig (2030+) wird die deutsche Metallverarbeitung grüner, digitaler und kleiner sein. Die Primärproduktion (Hochofenroute) wird weitgehend auf DRI + EAF umgestellt sein — vorausgesetzt, der Wasserstoffhochlauf gelingt. Sekundärmetallurgie (Recycling) wird an Bedeutung gewinnen. Der Standort Osnabrück (Georgsmarienhütte als EAF-Stahlwerk, KME mit hohem Recyclinganteil) ist für diese Transformation gut positioniert. Die energieintensive Grundstoffindustrie wird insgesamt schrumpfen, während die spezialisierte Metallverarbeitung (C25) durch technologische Nischen (Leichtbau, Oberflächenveredelung, Präzisionsbauteile) wettbewerbsfähig bleiben kann.


7. Regionaler Fokus

7.1 Metropolregion München

Die Metallverarbeitung in München ist im Vergleich zur Dienstleistungs- und Hightech-orientierten Wirtschaftsstruktur der Region eine kleinere Branche. Geschätzt rund 3.000–4.000 SV-Beschäftigte in C24+C25 (Rang außerhalb der Top 15). Es gibt keine Hüttenwerke oder Primärerzeugung in München. Die Branche konzentriert sich auf:

Besonderheiten: München hat keine produzierende Grundstoffindustrie (keine Hütten, Walzwerke, Gießereien im großen Maßstab). Die Metallverarbeitung ist stark auf spezialisierte Fertigungsnischen ausgerichtet, die vom Hightech-Umfeld (Luftfahrt, Medizintechnik, Maschinenbau) profitieren. Die hohen Standortkosten (Gewerbemieten, Fachkräftelöhne) sind eine Belastung für das traditionelle Metallhandwerk.

7.2 Region Osnabrück

Die Metallverarbeitung (C24+C25) in Osnabrück ist mit rund 5.000 SV-Beschäftigten (Rang 10 aller Branchen in der Region) ein industrielles Schwergewicht und die bedeutendste produzierende Branche in der Stadt und im Landkreis. Die Branche ist durch eine duale Struktur aus industrieller Großfertigung (C24) und spezialisiertem Mittelstand (C25) geprägt:

Schlüsselunternehmen:

Besonderheiten der Region:

7.3 Region Ostfriesland

Die Metallverarbeitung (C24+C25) in Ostfriesland ist eine kleine Nischenbranche mit geschätzt rund 1.000–1.500 SV-Beschäftigten (Rang außerhalb der Top 15). Die Region hat keine Hüttenwerke, Walzwerke oder Gießereien. Die Branche konzentriert sich auf:

Besonderheiten: Ostfriesland hat keine eigenständige metallverarbeitende Großindustrie. Die Branche lebt von der Nachfrage der Windenergie-, Hafen- und Landwirtschaftsbetriebe. Der Strukturwandel in der Automobilindustrie (VW Emden) hat keine direkten Auswirkungen auf die Metallverarbeitung, da die Zulieferer für VW überwiegend außerhalb der Region sitzen. Die Metallverarbeitung in Ostfriesland ist stark mittelständisch, handwerklich geprägt und weniger von den globalen Rohstoff- und CO₂-Märkten betroffen als die Primärerzeugung in Osnabrück.


Quellen


Automatisch erstellt aus der VWL-Datenbasis für strategyisdead.com Nächste Aktualisierung: 16.07.2026