Value-Chain-Analyse: Verkehr & Logistik (WZ H)

Erstellt: 2026-06-19 · Basis: Branchenreport 2026-06-18, PESTEL, SWOT, Porter Regionalfokus: München · Osnabrück · Ostfriesland Methodik: Porter’s Value Chain — Analyse der primären und unterstützenden Aktivitäten eines Logistikdienstleisters


1. BRANCHENSPEZIFISCHE WERTSCHÖPFUNGSKETTE

Die Verkehrs- und Logistikbranche (WZ H) weist eine charakteristische Wertschöpfungskette auf, die sich von produzierenden Unternehmen unterscheidet. Der Kern liegt in der Dienstleistungserbringung — Transport, Umschlag und Lagerung von Gütern.

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│                         UNTERSTÜTZENDE AKTIVITÄTEN                          │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  FIRMENINFRASTRUKTUR: Standortmanagement · Finanzierung · Compliance · ESG  │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  PERSONALMANAGEMENT: Fahrerrekrutierung · Ausbildung · Disponenten · Löhne │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  TECHNOLOGIEENTWICKLUNG: TMS · KI-Disposition · Telematik · Automatisierung│
├─────────────────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│  BESCHAFFUNG: Treibstoff · LKW · Lagertechnik · IT · Versicherungen · Maut │
├───────────┬───────────┬───────────┬───────────┬───────────┬───────────┬─────┤
│           │           │           │           │           │           │     │
│  EINGANGS-│  BETRIEB/ │  AUSGANGS-│ MARKETING │ SERVICE   │  MARGEN-  │     │
│  LOGISTIK │  DISPOSI- │  LOGISTIK │ & VERTRIEB│ (VAS)     │  MANAGE-  │     │
│           │  TION     │           │           │           │  MENT     │     │
│  ┌─────┐  │  ┌─────┐  │  ┌─────┐  │  ┌─────┐  │  ┌─────┐  │  ┌─────┐  │     │
│  │An-  │  │  │Fracht│  │  │Ware- │  │  │Aqui-│  │  │Re-  │  │  │Lade-│  │     │
│  │nahme│  │  │opti- │  │  │naus- │  │  │sition│  │  │touren│  │  │rate,│  │     │
│  │     │  │  │mierung│  │  │liefe-│  │  │     │  │  │     │  │  │Erlös│  │     │
│  │Ware │──│  │rung   │──│  │rung  │──│  │Ange-│──│  │Sen- │──│  │pro  │  │     │
│  │     │  │  │     │  │  │     │  │  │bote │  │  │dung │  │  │Send.│  │     │
│  │Lager│  │  │Dispo │  │  │Doku- │  │  │     │  │  │     │  │  │     │  │     │
│  │     │  │  │     │  │  │mente │  │  │Ver- │  │  │Qua- │  │  │Kos- │  │     │
│  │Kom- │  │  │Fahrer│  │  │     │  │  │trags│  │  │lität│  │  │ten  │  │     │
│  │mis- │  │  │     │  │  │Send. │  │  │Mgmt │  │  │     │  │  │pro  │  │     │
│  │sion.│  │  │Echt- │  │  │ver- │  │  │     │  │  │Be-  │  │  │Send.│  │     │
│  │     │  │  │zeit- │  │  │fol- │  │  │Key  │  │  │schw.│  │  │     │  │     │
│  │Retou│  │  │Trak- │  │  │gung │  │  │Accnt│  │  │     │  │  │LKW- │  │     │
│  │ren  │  │  │cing  │  │  │     │  │  │Mgmt │  │  │Ver- │  │  │Aus- │  │     │
│  │     │  │  │     │  │  │     │  │  │     │  │  │sich.│  │  │last.│  │     │
│  └─────┘  │  └─────┘  │  └─────┘  │  └─────┘  │  └─────┘  │  └─────┘  │     │
│           │           │           │           │           │           │     │
├───────────┴───────────┴───────────┴───────────┴───────────┴───────────┴─────┤
│                         PRIMÄRE AKTIVITÄTEN                                  │
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2. PRIMÄRE AKTIVITÄTEN

2.1 EINGANGSLOGISTIK — Warenannahme & Lagerung

AktivitätBeschreibungKostenanteilOptimierungspotenzial
WarenannahmeAnnahme von Gütern, Prüfung auf Vollständigkeit/Schäden5–10 % der LagerkostenDigitalisierung (Scanning, autom. Erfassung)
EinlagerungSortierung, Kennzeichnung, Einlagerung im WMS10–15 % der LagerkostenAMR, automatisierte Regalbediengeräte
KommissionierungZusammenstellung von Aufträgen (Pick-by-Voice/Light/Vision)40–55 % der LagerkostenHöchstes Optimierungspotenzial — KI-gestützte Pick-Routen, AMR
RetourenmanagementPrüfung, Sortierung, Wiedereinlagerung oder Entsorgung10–15 % der Lagerkosten (E-Commerce)Automatisierte Retouren-Sortieranlagen
BestandsmanagementInventur, Bestandsoptimierung, Verderblichkeitsmanagement5–10 % der LagerkostenKI-Nachfrageprognose, Echtzeit-Bestandsdaten

Regionale Ausprägung:

RegionEffizienzBesonderheit
München★★★★☆Hoher Automatisierungsgrad bei BMW-Logistik und Großspeditionen. Flächenknappheit zwingt zu vertikaler Lagerwirtschaft (Hochregallager).
Osnabrück★★★★☆FIEGE und Hellmann investieren in automatisierte Lager. AMR-Einsatz im E-Commerce-Fulfillment. Mittelstand mit Nachholbedarf.
Ostfriesland★★☆☆☆Geringer Automatisierungsgrad. Manuelle Prozesse dominieren. VW-Logistik als Ausnahme (automatisierte Kfz-Umschlagsysteme im Hafen).

2.2 BETRIEB / DISPOSITION — Transportplanung & -durchführung

Die operative Kernaktivität der Branche — hier entscheidet sich die Marge.

AktivitätBeschreibungKostenanteilOptimierungspotenzial
FrachtoptimierungRoutenplanung, Tourenoptimierung, Bündelung5–10 % der TransportkostenKI-gestützte Optimierung (+10–20 % Auslastung)
DispositionFahrereinsatzplanung, Laderaummanagement10–15 % der TransportkostenAutomatisierte Dispositionssysteme (KI)
FahrzeugbetriebTreibstoff, Maut, Wartung, Fahrerlöhne60–70 % der TransportkostenSpritspartraining, E-LKW, Telematik
Echtzeit-TrackingSendungsverfolgung, Status-Updates, Kunden-Apps2–5 % der TransportkostenIoT-Sensoren, GPS, Kundenportal
DokumentationFrachtpapiere, Zollpapiere, Lieferscheine2–3 % der TransportkostenDigitale Frachtpapiere (e-CMR)

Kostentreiber im Betrieb:

Treibstoffkosten:     20–30 % der Materialkosten  ← +5,9 % (2026)
Personalkosten (Fahrer): 30–40 % des Umsatzes    ← +2,6 % (2026)
Mautkosten:            5–15 ct/km                 ← CO₂-Aufschlag
Wartung/Reparatur:     8–12 % der Transportkosten ← steigend durch Komplexität
Versicherung:          3–5 % der Transportkosten  ← +10–20 % Haftpflicht

Regionale Ausprägung:

RegionEffizienzBesonderheit
München★★★★☆Hohe Dispositionskompetenz durch große Betriebe. Nachtfahrverbote (A8/A95) schränken ein. Automatisierung TMS weit verbreitet.
Osnabrück★★★★☆Speditions-Know-how ist Kernkompetenz der Region. Hellmann mit weltweitem Netzwerk. Lokaler Wettbewerb um Fahrer treibt Dispositionskomplexität.
Ostfriesland★★☆☆☆Lange Strecken (Peripherie) = geringere Effizienz. VW-transportoptimierte Routen. Geringer TMS-Durchdringungsgrad bei kleinen Betrieben.

2.3 AUSGANGSLOGISTIK — Warenauslieferung & Kundenkommunikation

AktivitätBeschreibungKostenanteilOptimierungspotenzial
WarenausgangVerladung, Versandvorbereitung, Frachtpapiere5–10 % der LogistikkostenAutomatisierte Verladesysteme, Slot-Management
AuslieferungLetzte Meile, Zustellung, Empfängerbestätigung15–25 % der Logistikkosten (B2C)Micro-Hubs (urban), KI-Routen (letzte Meile)
SendungsverfolgungTracking-Link, Status-Benachrichtigungen2–3 % der LogistikkostenPush-Benachrichtigungen, Live-Tracking
RechnungsstellungFrachtrechnung, Nachweise, Gutschriften2–5 % der LogistikkostenAutomatisierte Rechnungsstellung (EDI)

Regionale Ausprägung:

RegionEffizienzBesonderheit
München★★★☆☆Urbane Letzte-Meile ist komplex (Stau, Parkraum, Lieferzonen). Micro-Hubs im Aufbau. Hohe Paketdichte = Kostenvorteil.
Osnabrück★★★★☆Überschaubare Stadtgröße — einfachere Letzte-Meile. Hohe B2B-Kompetenz (Hellmann, FIEGE).
Ostfriesland★★☆☆☆Ländliche Letzte-Meile ist teuer (geringe Paketdichte). Lange Anfahrtswege zu Endkunden.

2.4 MARKETING & VERTRIEB

AktivitätBeschreibungKostenanteilOptimierungspotenzial
AkquisitionNeukundengewinnung, Kaltakquise, Messen1–3 % des UmsatzesDigitales Marketing, KI-Lead-Scoring
AngebotserstellungAusschreibungsbearbeitung, Tender-Management1–2 % des UmsatzesAutomatisierte Preislogik, Rate-Management
KundenbetreuungKey Account Management, Beziehungspflege2–4 % des UmsatzesCRM-gestützte Betreuung
VertragsmanagementRahmenverträge, Treibstoffklauseln, Haftung0,5–1 % des UmsatzesStandardisierte Vertragsmodule
AusschreibungenTeilnahme an Logistik-Tendern (RfQ/RfP)1–2 % des UmsatzesKI-gestützte Tender-Analyse

Regionale Ausprägung:

RegionEffizienzBesonderheit
München★★★★☆Große Verlader (BMW, Siemens) mit strukturierten Ausschreibungen. Key Account Management für Großkunden ist Standard.
Osnabrück★★★★★Hellmanns globales Netzwerk und FIEGE’s E-Commerce-Kompetenz ermöglichen überregionale Akquise. Hohe Reputation der Region als Logistikstandort.
Ostfriesland★★☆☆☆Wenig aktive Akquise — Kundenbeziehungen historisch gewachsen (VW-Logistik). Gefahr der einseitigen Abhängigkeit.

2.5 SERVICE — Value-Added Services (VAS)

Differenzierungshebel in der Commodity-Branche. VAS steigern die Kundenbindung und die Marge.

ServiceBeschreibungMargenbeitrag
CO₂-neutrale TransporteZertifizierte Klimaneutralität (Kompensation/E-LKW)+5–15 % Aufpreis
Echtzeit-SendungsverfolgungKundenportal mit Live-Tracking, IoT-Temperaturdaten+3–8 % Aufpreis
QualitätsmanagementISO-Zertifikate, Schadensquote < 1 %, AuditsVoraussetzung für Großkunden
BestandsmanagementVMI (Vendor Managed Inventory), Konsignationslager+10–20 % Wertschöpfung
VerpackungsdienstleistungenIndividuelle Verpackung, Kennzeichnung, Konfektionierung+5–10 % Wertschöpfung
ZollabwicklungZollpapiere, Einfuhr-/Ausfuhrabwicklung+8–15 % Wertschöpfung
RetourenmanagementPrüfung, Sortierung, Wiedereinlagerung (E-Commerce)+5–10 % Wertschöpfung
NotfalllogistikExpress-Sendungen, Sonderfahrten, AOG (Aircraft on Ground)+20–50 % Aufpreis

Regionale Ausprägung:

RegionVAS-ReifeBesonderheit
München★★★★★BMW-Logistik mit CO₂-Roadmap. Flughafen München mit SAF-Programm. Höchste VAS-Durchdringung.
Osnabrück★★★★☆Hellmann mit CO₂-neutralen Produkten. FIEGE mit E-Commerce-VAS. Mittelstand baut auf.
Ostfriesland★★☆☆☆Geringe VAS-Durchdringung. VW-Logistik als Kunde fordert zunehmend CO₂-Nachweise — Zugzwang für die Region.

3. UNTERSTÜTZENDE AKTIVITÄTEN

3.1 FIRMENINFRASTRUKTUR

AktivitätBeschreibungRegionale Besonderheit
StandortmanagementGVZ-Standorte, Hafenanbindung, ImmobilienstrategieMUC: GVZ München-Nord, Flughafen. OS: KV-Terminal, A1/A30-Kreuz. OF: Hafen Emden, A31.
FinanzierungFuhrparkfinanzierung, Lagerbau, LiquiditätsmanagementE-LKW Invest (2–3× Diesel-LKW). Zinsumfeld: 2,5 % Leitzins (Hilfe).
Compliance/ESGCSRD-Berichterstattung, EU-Taxonomie, CO₂-BilanzierungMUC: BMW/Siemens fordern ESG-Reporting. OS: Hellmann EcoVadis. OF: Aufholbedarf.
Recht/RegulierungGüKG, EU-Mobilitätspaket, LkSG, KartellrechtEU-Mobilitätspaket verteuert Subunternehmer (+5–15 %).
QualitätsmanagementISO 9001, ISO 14001, ISO 27001, HACCPWird für Automotive-Kunden (MUC/OF) vorausgesetzt.

3.2 PERSONALMANAGEMENT (HR)

AktivitätBeschreibungRegionale Besonderheit
FahrerrekrutierungInland/Ausland, Quereinsteiger, AusbildungGrößte Herausforderung der Branche. 70.000–100.000 fehlende Fahrer.
AusbildungBerufskraftfahrer, Fachlagerist, Kaufmann SpeditionOS: Überdurchschnittliche Ausbildungsquote (Hellmann, FIEGE).
Disponenten-EntwicklungNachwuchs für Disposition, LogistikmanagementMUC: Hochschulkooperationen (TUM, HM). OF: Geringe Ausbildungskapazität.
ArbeitszeitmodelleTeilzeit, 4-Tage-Woche, Job-Sharing, Homeoffice-DispositionInnovative Modelle als Wettbewerbsvorteil im Fahrermarkt.
Internationale RekrutierungWestbalkan, Philippinen, Türkei, IndienMUC: Ballungsraumvorteil. OF: Geringe Attraktivität für internationale Fahrer.

Fahrer-Kostenstruktur (Branchendurchschnitt 2026):

Grundgehalt:         2.800–3.200 €/Monat
Zulagen (Nacht/Wochenende):  400–800 €/Monat
Sozialabgaben:       ca. 1.100–1.400 €/Monat
Gesamt Arbeitgeber:  ca. 4.500–5.500 €/Monat pro Fahrer
→ Bei 30–40 % Personalaufwandsquote: massiver Kostenblock

3.3 TECHNOLOGIEENTWICKLUNG

TechnologieReifegradKostenRegionale Kompetenz
TMS (Transport Management System)Hoch (Standard)500–5.000 €/Monat (SaaS)MUC/OS: Hoch. OF: Gering.
WMS (Warehouse Management System)Hoch1.000–10.000 €/MonatMUC/OS: Hoch. OF: Mittel.
KI-Disposition/RoutenoptimierungMittel10.000–50.000 €/JahrMUC: Startup-Ökosystem. OS: Hellmann pilotiert.
Echtzeit-Tracking (IoT)Hoch50–200 €/Fahrzeug/JahrStandard in allen Regionen bei größeren Betrieben.
Autonome Roboter (AMR)Mittel20.000–80.000 €/RoboterMUC: FIEGE, BMW. OS: FIEGE. OF: Nicht vorhanden.
Predictive MaintenanceNiedrig-Mittel5.000–15.000 €/JahrMUC: Erste Pilotprojekte.
Blockchain/DLTNiedrig (Pilot)20.000+ €/ProjektMUC: Erste Cargo-Blockchain-Piloten.

Digitalisierungsgrad nach Region:

München:       ████████░░  80 % (Großbetriebe + Startup-Ökosystem)
Osnabrück:     ██████░░░░  60 % (Hellmann/FIEGE führend, Mittelstand Nachholbedarf)
Ostfriesland:  ███░░░░░░░  30 % (Kleinstbetriebe dominieren, kaum TMS)

3.4 BESCHAFFUNG (Procurement)

BeschaffungsgutKostenanteilLieferantenmarktStrategie
Treibstoff (Diesel, Kerosin, Schweröl)20–30 % der MaterialkostenOligopol (Shell, BP, Aral, Total)Hedging, Tankkarten, Mengenrabatte
LKW/NFZ10–15 % der GesamtkostenOligopol (MAN, Mercedes, Volvo, Scania, DAF, IVECO)Fuhrparkstrategie, E-LKW-Quote
Lagertechnik5–10 % der InvestitionskostenWettbewerbsintensiv (Jungheinrich, Kion, SSI Schäfer)Automatisierung vs. manuell abwägen
IT-Systeme2–5 % des UmsatzesViele Anbieter (SAP, Oracle, Cloud-SaaS)Make-or-Buy, Cloud-Strategie
Versicherungen3–5 % der TransportkostenWettbewerbsintensiv (HUK, Allianz, AXA)Selbstbehalt optimieren, Flottenrabatt
MautVariabel (5–15 ct/km)Staatliches Monopol (Toll Collect)Keine Verhandlungsmöglichkeit — Kostenblock
Fahrpersonal30–40 % des UmsatzesVerkäufermarkt (70.000–100.000 fehlen)Attraktiver Arbeitgeber werden

4. MARGENSTRUKTUR & KOSTENANALYSE

4.1 Typische Kostenstruktur eines mittelständischen Logistikdienstleisters

Umsatz:                             100 %
┌─────────────────────────────────────────────┐
│  Materialkosten (Treibstoff, Maut): 35–45 % │ ← Stärkster Treiber
│  Personalkosten (Fahrer, Lager, Verwaltung): 30–40 % │ ← Zweitstärkster
│  Abschreibungen (LKW, Lager, IT):           8–12 % │
│  Raumkosten (Miete, Energie):                5–8 %  │
│  Verwaltung/Vertrieb:                        3–5 %  │
│  IT-Kosten:                                  2–4 %  │
│  Versicherungen/Steuern:                     2–3 %  │
├─────────────────────────────────────────────┤
│  Betriebsergebnis (EBIT):                   2–5 %  │ ← Extrem dünn
└─────────────────────────────────────────────┘

4.2 Wertschöpfungstiefe nach Segment

SegmentWertschöpfungstiefeErlös pro SendungMarge
Einfacher LKW-Transport (Spot)Gering (reine Fracht)50–200 €1–3 %
Kontrakt-LKW-TransportMittel (Planung + Ausführung)100–500 €3–5 %
Spedition (organisiert)Mittel (Disposition + Netzwerk)150–600 €3–6 %
Lagerlogistik (qm)Hoch (Lager + Personal + IT)5–15 €/m²5–8 %
Kontraktlogistik (Vollintegration)Sehr hoch (IT + Lager + Transport + VAS)Projektabhängig5–10 %
Luftfracht (Spedition)Mittel-Hoch (Netzwerk + Zoll + Dokumente)500–5.000 €/t5–10 %
E-Commerce-FulfillmentHoch (IT + Kommissionierung + Verpackung + Retouren)3–8 €/Sendung4–8 %

5. REGIONALE VALUE-CHAIN-ANALYSE

5.1 München — „Premium-Standort mit Digitalisierungsvorsprung"

AktivitätBewertungStärkenSchwächen
Eingangslogistik★★★★☆Hoher Automatisierungsgrad, moderne GVZFlächenknappheit, hohe Grundstückspreise
Betrieb/Disposition★★★★☆KI-Kompetenz, TMS-DurchdringungNachtfahrverbote, Stau
Ausgangslogistik★★★☆☆Hohe Paketdichte (urban)Komplexe Letzte-Meile (Stau, Parkraum)
Marketing/Vertrieb★★★★☆Große Kunden (BMW, Siemens)Starke Preismacht der Kunden
Service/VAS★★★★★Höchste VAS-Dichte (CO₂, Zoll, Qualität)Hohe Service-Erwartung der Kunden
Personal★★★☆☆Ballungsraumvorteil bei RekrutierungHöhere Lohnkosten, Lebenshaltungskosten
Technologie★★★★★Startup-Ökosystem, UniversitätenTeure IT-Fachkräfte
Beschaffung★★★☆☆Keine Standortvorteile (Treibstoff = überall gleich)Höhere Mautkosten (viele Autobahn-km)

Value-Chain-Wettbewerbsvorteil München: Premium Value Chain mit Fokus auf Servicequalität, Digitalisierung und Wertschöpfungstiefe. Nachhaltigkeits-Know-how als Differenzierungsmerkmal. Kostennachteil bei Fläche und Personal.


5.2 Osnabrück — „Speditionshochburg mit Cluster-Vorteil"

AktivitätBewertungStärkenSchwächen
Eingangslogistik★★★★☆FIEGE/Hellmann automatisierte LagerMittelstand mit Nachholbedarf
Betrieb/Disposition★★★★★Speditions-Know-how als KernkompetenzLokaler Wettbewerb um Fahrer
Ausgangslogistik★★★★☆Überschaubare urbane Letzte-MeileGeringere B2C-Dichte als München
Marketing/Vertrieb★★★★★Hellmann global + FIEGE E-CommerceMittelstand mit weniger Ressourcen
Service/VAS★★★★☆Hellmann CO₂-neutral, FIEGE FulfillmentVAS-Tiefe heterogen
Personal★★★☆☆Gute Ausbildungsquote (Hellmann, FIEGE)Fahrermangel akut
Technologie★★★★☆Hellmann digital führendMittelstands-Lücke
Beschaffung★★★★☆Mengenvorteile durch Cluster

Value-Chain-Wettbewerbsvorteil Osnabrück: Cluster-Effekte durch Hellmann-Ökosystem und FIEGE-Nähe. Höchste Betriebs-Kompetenz in Disposition und Spedition. Optimale Ausgangsbasis für E-Commerce-Logistik. Günstigere Flächen als München.


5.3 Ostfriesland — „Hafenstandort mit Spezialisierung"

AktivitätBewertungStärkenSchwächen
Eingangslogistik★★☆☆☆VW-Hafenlogistik (modern)Geringer Automatisierungsgrad bei KMU
Betrieb/Disposition★★☆☆☆VW-optimierte Kfz-LogistikGeringe TMS-Durchdringung
Ausgangslogistik★★☆☆☆Hafen-Hinterland-Verkehre strukturiertLändliche Letzte-Meile teuer
Marketing/Vertrieb★★☆☆☆Stabile VW-BeziehungEinseitige Abhängigkeit
Service/VAS★★☆☆☆Basis-LevelKaum CO₂-Produkte, wenig VAS
Personal★☆☆☆☆Geringstes ArbeitskräfteangebotAbwanderung, Überalterung
Technologie★★☆☆☆Niedrigster DigitalisierungsgradKein Startup-Ökosystem
Beschaffung★★★☆☆Günstige LagerflächenHöhere Treibstoffkosten (lange Wege)

Value-Chain-Wettbewerbsvorteil Ostfriesland: Niedrige Flächenkosten und Hafen-Infrastruktur als Standortvorteil. Spezialisierung auf Kfz-Logistik (VW) mit stabilen Cashflows. Dringender Handlungsbedarf: Digitalisierung, VAS-Aufbau und Diversifizierung der Kundenbasis.


6. OPTIMIERUNGSHEBEL (KOSTENFOKUS)

HebelWirkungUmsetzbarkeitRegion mit größtem Potenzial
KI-Routenoptimierung+10–20 % AuslastungHoch (SaaS)Osnabrück (Speditionsdichte)
E-LKW-Umstellung (Mautbefreiung)10.000–30.000 €/Jahr Einsparung pro LKWMittel (Ladeinfrastruktur)Ostfriesland (längste Strecken)
Lagerautomatisierung (AMR)–20–30 % Personalkosten LagerMittel-Hoch (CAPEX)München (höchste Arbeitskosten)
Digitale Frachtpapiere (e-CMR)–50 % Durchlaufzeit DokumentationHoch (SaaS)Ostfriesland (größter Nachholbedarf)
TMS-Einführung (KMU)+5–10 % AuslastungHochOstfriesland (geringste Durchdringung)
Fahrertraining (Spritsparen)–5–10 % TreibstoffverbrauchSehr hochOstfriesland (längste Strecken)
CO₂-Klausel-VerhandlungVollständige KostenweitergabeMittel (Kundenmacht)München (höchste Kunden-Compliance)

7. ZUSAMMENFASSUNG DER VALUE-CHAIN-POSITION

KriteriumMünchenOsnabrückOstfriesland
Gesamteffizienz der Wertschöpfungskette★★★★☆★★★★☆★★☆☆☆
Digitalisierungsgrad★★★★★★★★★☆★★☆☆☆
VAS-Tiefe★★★★★★★★★☆★★☆☆☆
Kosteneffizienz★★★☆☆★★★★☆★★☆☆☆
Personalverfügbarkeit★★★☆☆★★★☆☆★☆☆☆☆
Cluster-Vorteile★★★★☆★★★★★★★★☆☆
WettbewerbsvorteilService & InnovationBetrieb & NetzwerkFläche & Hafen

Quellen: Destatis, BGL, DSLV, DVZ, BALM, regionale IHK-Daten, Hellmann/FIEGE/Flughafen MUC — basierend auf Branchenreport 18.06.2026, PESTEL/SWOT/Porter 19.06.2026