Executive Summary
Die Wertschöpfungskette der Münchner Elektrotechnik ist durch vertikale Integration geprägt — Siemens und Infineon decken vom Chip bis zur fertigen Schaltanlage weite Teile der Kette ab. Die höchsten Margen liegen nicht im Hardware-Verkauf, sondern im digitalen Service (Predictive Maintenance, KI-Optimierung) mit 30–40 % Rohertrag.
Analyse
Primäre Aktivitäten:
Eingangslogistik: Siemens bezieht Kupfer über langfristige Kontrakte mit Codelco (Chile) und Aurubis (Hamburg). Infineon bezieht Polysilicium von Wacker Chemie (Standort München). Seltene Erden für Generatormagnete kommen zu 80 % aus China — strategische Rohstoffreserven für 3 Monate sind Standard. Gussteile für Schaltanlagen werden aus Tschechien und Polen bezogen (30 % günstiger als in Deutschland).
Fertigung/Operation: Siemens Schaltanlagenwerk in München-Obersendling verfügt über eine automatisierte Fertigungslinie für Mittelspannungs-Schaltanlagen mit einer Kapazität von 15.000 Einheiten p.a. Die SPS-Fertigung in Amberg läuft als Smart Factory mit 99,5 % Erstausbeute. Infineon betreibt in Neubiberg eine Wafer-Fertigung für 200mm-SiC-Scheiben; die Kapazität wird derzeit von 40.000 auf 60.000 Wafer pro Monat hochgefahren. Die Wärmepumpenproduktion in München läuft mit 50.000 Einheiten p.a.
Ausgangslogistik: Siemens bedient 190 Länder über ein globales Distributionsnetz mit 800 Standorten. Schaltanlagen als Schwergut werden per Lkw oder Bahn transportiert. Infineon liefert Chips per Luftfracht (Just-in-Time) an Kunden wie BMW und Bosch; der Anteil der Luftfrachtkosten beträgt 8 % des Warenwerts.
Marketing/Vertrieb: Siemens setzt auf Direct Sales (Top-200-Industriekunden) und indirekten Vertrieb über den Elektro-Großhandel (REXEL, Sonepar). Xcelerator Store als digitaler Vertriebskanal — 10.000 Transaktionen pro Monat (2025). Infineon: Key Account Management für die Top-20-Automotive-OEMs, mit Design-In-Prozessen, die 18–24 Monate Vorlaufzeit erfordern.
Service (Aftermarket): Der margenstärkste Bereich (30–40 % Rohertrag). Siemens Smart Services bieten Predictive Maintenance via IoT-Sensoren + Cloud-Analyse für 5.000 Schaltanlagen weltweit. Retrofit-Modernisierung alter Anlagen wächst um 15 % p.a. Infineon bietet Applikationssupport für GaN-Design-Ins bei Automobilkunden.
Unterstützende Aktivitäten:
F&E: Siemens investiert 7 % des Umsatzes (ca. 4,5 Mrd. Euro Konzern). Infineon 13 % (ca. 2,3 Mrd. Euro). Kooperationen mit Fraunhofer ESK (eingebettete Systeme), Fraunhofer IISB (Leistungselektronik) und TUM (KI, Digital Twins).
Personal: Siemens Ausbildungswerk München mit 600 Auszubildenden. Infineon Neubiberg: duales Studium mit 150 Studierenden. Fehlende Softwareentwickler: 500 offene Positionen allein bei Siemens Digital Industries München.
Handlungsempfehlungen
- Service-Wertschöpfung digitalisieren: Fernwartung mit Augmented-Reality-Brillen für Servicetechniker (Reduzierung Vor-Ort-Einsätze um 40 %) und KI-basierte Zustandsüberwachung als margenstarke Add-ons (>50 % Rohertrag).
- F&E-Kosten teilen: GaN/SiC-Entwicklungskosten durch EU-Chip-Act-Förderung (43 Mrd. Euro) und gemeinsame IP mit Fraunhofer IISB senken — München als “Power Electronics Valley” Europas positionieren.
Datenbasis
- Siemens AG: Supply Chain Report 2024, Global Logistics KPI
- Infineon Technologies: Fab Capacity Report 2025
- Fraunhofer IISB: Leistungselektronik-Studie 2024
- VDI: Wertschöpfungsstudie Elektroindustrie 2025
- IHK München: Supply Chain Resilienz 2025
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