Wertschöpfungskette (Value Chain): Automobilindustrie (WZ C29)
Erstellt: 19.06.2026 · Basis: Branchenreport 18.06.2026, PESTEL, SWOT, Porter Regionaler Fokus: München (MUC) · Osnabrück (OS) Hinweis: Ostfriesland ist nicht Fokus dieser Analyse.
1. Porters Value Chain — Überblick
Die Wertschöpfungskette nach Porter analysiert die primären Aktivitäten (direkte Wertschöpfung vom Rohmaterial zum Kunden) und die unterstützenden Aktivitäten (Rahmenbedingungen für die Primäraktivitäten) eines Unternehmens oder einer Branche.
UNTERNEHMENSINFRASTRUKTUR
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PERSONALMANAGEMENT
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TECHNOLOGIEENTWICKLUNG
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BESCHAFFUNG
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│ In- │ Pro- │ Aus- │ Mar- │ Kun- │
│ gän-│ duk- │ gangs│ ket- │ den- │
│ gl. │ tion │ lo- │ ing/ │ dien-│
│ Lo- │ / │ gistik│ Ver- │ st │
│ gis-│ Fert-│ │ trieb│ │
│ tik │ igung│ │ │ │
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PRIMÄRE AKTIVITÄTEN
2. Primäre Aktivitäten — Automobilindustrie
2.1 Eingangslogistik (Inbound Logistics)
Beschreibung: Annahme, Lagerung und Bereitstellung aller Rohmaterialien, Komponenten und Systeme für die Fahrzeugproduktion.
| Aktivität | Ausprägung Automobilindustrie | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Rohstoff-Beschaffung | Stahl, Aluminium, Kupfer, Kunststoffe, Lithium, Kobalt, Nickel, Seltene Erden. Globalisierte Lieferketten mit hoher geopolitischer Abhängigkeit. | OS: KME verarbeitet Kupfer (80 kg/E-Auto vs. 25 kg Verbrenner) |
| Just-in-Time (JIT) / Just-in-Sequence (JIS) | Hochpräzise Anlieferung der Zulieferteile direkt ans Band. Lagerbestände extrem niedrig — Störanfälligkeit hoch (Beispiel: Halbleiterkrise 2021–2023). | MUC: BMW Werk München — JIT-Anlieferung aus dem Umland |
| Qualitätskontrolle Eingang | Wareneingangsprüfung nach strengen OEM-Spezifikationen. Lieferantenqualifizierung (IATF 16949). | OS: Zulieferer unterliegen OEM-Qualitätsaudits |
| Lagerhaltung | Zentrallager und Konsignationslager bei OEMs. Zulieferer betreiben oft Abruflager in Werksnähe. | MUC/OS: Regionale Logistikzentren |
Wertschöpfungsanteil: ~5–8 % der Gesamtwertschöpfung (gemessen an Kosten)
Trends & Herausforderungen:
- E-Mobilität: Neue Rohstoffe (Lithium, Kobalt, Nickel, Kupfer) ersetzen traditionelle (Stahlanteil sinkt)
- Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Seit 2024 Dokumentationspflicht entlang der gesamten Lieferkette
- Geopolitische Risiken: Nahost-Konflikt treibt Energie- und Rohstoffpreise (+5,9 % Großhandelspreise Mai 2026)
- Nearshoring/Regionalisierung: Trend zu lokalen Lieferketten (EU-Batterieverordnung, CO₂-Fußabdruck)
2.2 Produktion/Fertigung (Operations)
Beschreibung: Kernaktivität der Automobilindustrie — Umwandlung von Komponenten und Systemen in fertige Fahrzeuge (OEM) bzw. Teile/Komponenten (Zulieferer).
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Karosseriebau (Presswerk, Rohbau) | Stahl-/Aluminiumbleche werden gepresst, gefügt (Schweißen, Kleben, Löten), zu Karosserien montiert. Giga-Casting (Groß-Druckguss) ersetzt zunehmend Einzelteile. | MUC: BMW Werk München — Rohbau für 3er, 4er, i4, M-Modelle |
| Lackierung | Hochautomatisierte Lackstraßen (kathodische Tauchlackierung, Pulverlack, Klarlack). Umweltauflagen streng. | MUC/OS: Standardprozess bei OEMs und Zulieferern |
| Montage (Assembly) | Endmontage: Antriebsstrang, Fahrwerk, Innenausbau, Elektrik/Elektronik, Türen/Klappen, Räder. Komplexität: ~10.000 Einzelteile pro Fahrzeug. | MUC: BMW Werk München — Montage 3er, 4er, i4, M; OS: VW Osnabrück — Sonderfertigung Kleinserien |
| Antriebsstrang-Fertigung | Verbrenner: Motor (Kurbelwelle, Kolben, Zylinderkopf), Getriebe. Elektro: E-Maschine, Leistungselektronik, Getriebe (einfacher). | MUC: BMW Motorenwerk; OS: KME Kupfer-Komponenten für E-Antrieb |
| Prüfung & Qualitätssicherung | End-of-Line-Prüfung, Rollenprüfstand, Dichtheitsprüfung, Fahrzeug-Vermessung. KI-gestützte optische Qualitätskontrolle. | MUC: BMW Werk — hohe Automatisierung der Qualitätskontrolle |
| Batterieproduktion (neu) | Modul- und Packmontage: Zellen → Module → Batteriepack. Hochvoltsicherheit, Thermomanagement. Neue Wertschöpfungsstufe. | MUC: BMW F&E Batterie; keine eigene Zellproduktion in DE |
Wertschöpfungsanteil: ~25–35 % der Gesamtwertschöpfung (OEM), stark variierend nach Fertigungstiefe
Trends & Herausforderungen:
- Fertigungstiefe sinkt: Weniger Teile im E-Auto (30–40 % weniger Teilevielfalt bei E-Antrieb)
- Giga-Casting: Tesla-Ansatz wird von deutschen OEMs adaptiert — reduziert Schweißpunkte und Teilezahl drastisch
- Werksumbauten: VW Emden (OS → OF, außerhalb Fokus) auf 100 % E-Produktion; BMW Werk München Umbau auf Neue Klasse ab 2026
- Automatisierung: Steigender Robotereinsatz, KI-gestützte Fertigungssteuerung
2.3 Ausgangslogistik (Outbound Logistics)
Beschreibung: Lagerung, Kommissionierung und Versand der fertigen Fahrzeuge/Teile an Händler, Fuhrparks oder Endkunden.
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Fahrzeug-Logistik | Fertigfahrzeuge werden per Lkw (Autotransporter), Bahn (Autozug) oder Schiff (Autofrachter) zu Händlern und Exportmärkten transportiert. | OS: VW-Werk Emden über Emder Hafen (außerhalb Fokus) |
| Teile-Logistik (Zulieferer) | Komponentenversand zu OEM-Werken per Lkw (JIT/JIS) oder Bahn. Zentrallager und Cross-Docking-Hubs. | OS: KME Kupferbänder und -profile an OEMs und Tier-1 |
| Ersatzteil-Logistik (Aftermarket) | Ersatzteillager (zentral, dezentral), Versand an freie und markengebundene Werkstätten. | MUC/OS: Zulieferer beliefern Aftermarket |
| Export / Übersee-Logistik | Verladung in Häfen (Emden, Bremerhaven, Hamburg, Zeebrügge). Abwicklung von Zollformalitäten, Exportdokumentation. | MUC: BMW-Export über Bremerhaven, Rotterdam |
Wertschöpfungsanteil: ~5–10 % der Gesamtwertschöpfung
Trends & Herausforderungen:
- Digitalisierung: Echtzeit-Tracking der Lieferkette, digitale Zwillinge
- US-Zollrisiko: Trump-Zollpolitik bedroht Exporte deutscher Premium-OEMs (BMW 20–30 % Umsatz Nordamerika)
- LkSG-Compliance: Nachweispflichten entlang der gesamten Logistikkette
2.4 Marketing & Vertrieb (Marketing & Sales)
Beschreibung: Markenführung, Werbung, Vertriebskanäle, Verkaufsförderung und Preisgestaltung.
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Markenführung | Premiummarken (BMW, Mercedes, Porsche, Audi) als zentrales Differenzierungsmerkmal. Hohe Markenwerte und Kundenloyalität. | MUC: BMW Group — globales Brand Management |
| Vertriebskanäle | Stationärer Handel (Autohäuser), Online-Vertrieb (Direct-to-Consumer wachsend), Fuhrpark-Großkunden. | MUC/OS: Händlernetz in beiden Regionen |
| Fuhrpark-Management | ~25–30 % der Neuzulassungen an gewerbliche Fuhrparks. Eigene Vertriebseinheiten für Flottenkunden. | MUC/OS: Flottenvertrieb |
| Gebrauchtwagen-Vermarktung | Zertifizierte Gebrauchtwagenprogramme (BMW Premium Selection), Online-Plattformen (AutoScout24, Mobile.de). | MUC/OS: Händler gebunden |
| Marketing-Investitionen | Hohe Werbeausgaben für Markenimage, Produkteinführungen (Messen: IAA, CES). | MUC: BMW Marketing-Zentrale |
Wertschöpfungsanteil: ~10–15 % der Gesamtwertschöpfung (abhängig von Markenstärke und Vertriebsform)
Trends & Herausforderungen:
- Direct-to-Consumer (D2C): Tesla-Modell (keine Händler) wird von deutschen OEMs teilweise adaptiert (Agenturmodell)
- Digitale Vertriebskanäle: Online-Konfiguratoren, virtuelle Produktpräsentationen
- Preisdruck: China-Konkurrenz (BYD, NIO) zwingt zu wettbewerbsfähigen Preisen bei gleichzeitig hohen Investitionen
- Feature-on-Demand: Neue Erlösmodelle (Sitzheizung per Abo, Navigations-Upgrades) verändern das Vertriebsmodell
2.5 Kundendienst (Service)
Beschreibung: After-Sales-Service, Wartung, Reparatur, Garantieabwicklung, Software-Updates und Kundenbindung.
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Werkstatt-Service | Markengebundene Vertragswerkstätten + freie Werkstätten. Wartung (Ölwechsel, Inspektion), Reparatur, Unfallinstandsetzung. | MUC/OS: Händlernetz mit Werkstätten |
| Software-Updates (OTA) | Over-the-Air-Updates für Fahrzeugsoftware (Infotainment, Assistenzsysteme, Steuergeräte). Neue Ertragsquelle. | MUC: BMW iDrive 10 — OTA-Fähigkeit |
| Garantie & Gewährleistung | Herstellergarantie (2–5 Jahre), Garantieverlängerung, Mobilitätsgarantie. Kostenfaktor bei hoher Komplexität. | MUC/OS: OEM-weite Programme |
| Ersatzteilgeschäft (Aftermarket) | Hochmargiges Geschäft (Margen 10–15+ %). Belieferung von Vertrags- und freien Werkstätten. | MUC/OS: Bosch, ZF, Continental — starke Aftermarket-Präsenz |
| Mobilitätsdienste | Carsharing, Abo-Modelle, Leasing, Versicherungen. Ausbau des „Mobility-as-a-Service"-Angebots. | MUC: BMW (ShareNow, Sixt-Anteile) |
| Rücknahmesysteme & Recycling | EU-Altfahrzeugverordnung, Batterie-Recycling (EU-Batterieverordnung). Aufbau von Second-Life- und Recycling-Ökosystemen. | MUC/OS: Aufbauphase |
Wertschöpfungsanteil: ~10–15 % der Gesamtwertschöpfung (Aftermarket + Service, stark margenstabil)
Trends & Herausforderungen:
- Software-defined Service: OTA-Updates und Feature-on-Demand werden zum wachsenden Service-Geschäft
- E-Mobilität: Weniger Verschleißteile (Bremsen, Öl, Zündkerzen, Abgasanlage) → geringeres Wartungsvolumen
- Batterie-Recycling: Neue Service-Wertschöpfung (Batteriediagnose, -reparatur, -recycling)
- Kundenbindung: Digitale Dienste (My BMW App, ConnectedDrive) erhöhen Kundenbindung und schaffen Datenschätze
3. Unterstützende Aktivitäten
3.1 Unternehmensinfrastruktur (Firm Infrastructure)
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Konzernzentrale & Verwaltung | Strategie, Finanzen, Recht, Compliance, Investor Relations. | MUC: BMW-Konzernzentrale (~35.000 MA MUC gesamt) |
| Compliance & Regulierung | LkSG, EU-Batterieverordnung, CO₂-Flottengrenzwerte, Kartellrecht, US-Zollrecht. | MUC: Konzern-Rechtsabteilungen |
| Standort- & Liegenschaftsmanagement | Werke, Entwicklungszentren, Büroimmobilien, Logistikflächen. | MUC: BMW Werk + FIZ + i-Campus |
| IT-Infrastruktur | ERP-Systeme (SAP), Cloud-Plattformen, IoT-Plattformen, Fahrzeug-Backend (Connected Drive). | MUC: BMW-IT (Cloud, Data Center) |
3.2 Personalmanagement (Human Resource Management)
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Fachkräfte-Rekrutierung | Ingenieure (Maschinenbau, Elektrotechnik), Softwareentwickler, KI-Experten, Batteriespezialisten. | MUC: Starke Position (TUM, LMU); OS: Fachkräftemangel |
| Ausbildung | Duales Studium, gewerbliche Ausbildung (Karosseriebauer, Mechatroniker, Techniker). | MUC/OS: Betriebseigene Ausbildungszentren |
| Transformations-Qualifizierung | Umschulung von Verbrenner- auf E-Mobilitäts-Kompetenzen. Betriebsvereinbarungen zu Beschäftigungssicherung. | OS: Transformationsbedarf besonders hoch (Pierburg) |
| Tarifbindung | IG-Metall-Tarifverträge. Aktuelle Tariflohnsteigerung +2,6 % (2026). | MUC/OS: Vollständige Tarifbindung |
| Arbeitsplatzabbau-Management | Sozialpläne, Vorruhestand, Abfindungsprogramme. 100.000–140.000 gefährdete Jobs in DE. | OS: Höhere Betroffenheit als MUC |
3.3 Technologieentwicklung (Technology Development)
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| F&E Fahrzeugtechnik | Antriebsstrang, Fahrwerk, Karosserie, Leichtbau, Aerodynamik. | MUC: BMW FIZ (~20.000+ F&E-MA) |
| Batterie- & E-Antriebs-F&E | Zellchemie (NMC, LFP, Feststoff), Batteriemanagement, E-Maschinen, Leistungselektronik. | MUC: BMW i-Campus, Batterie-Kompetenzzentrum |
| Software-Entwicklung | Betriebssysteme (BMW iDrive 10 auf Linux), Middleware, App-Entwicklung, KI/ML. | MUC: BMW Software-Cluster, Cariad (MUC) |
| Autonomes Fahren | Sensorik (LiDAR, Radar, Kamera), KI-Algorithmen, funktionale Sicherheit (ISO 26262). | MUC: BMW Level 2+/3, Pilotprojekte Level 4 |
| Fertigungsinnovation | Giga-Casting, additive Fertigung, Robotik, KI-Qualitätssicherung. | MUC: BMW Werk München — Pilot für Neue Klasse-Fertigung |
| Produktionsplanung & Digitaler Zwilling | Virtuelle Inbetriebnahme, Simulationsmodelle, Predictive Maintenance. | MUC/OS: Industrielle Digitalisierung |
Wertschöpfungsanteil: ~10–15 % des Umsatzes (F&E-Quote der deutschen Automobilindustrie)
3.4 Beschaffung (Procurement)
| Aktivität | Ausprägung | Regionaler Bezug |
|---|---|---|
| Rohstoff-Beschaffung | Strategischer Einkauf von Stahl, Alu, Kupfer, Kunststoffen, Lithium, Kobalt, Nickel. | OS: KME kauft Kupfer am Weltmarkt |
| Komponenten-Beschaffung (Tier-1/2/3) | Einkauf von Systemen und Komponenten bei Zulieferern. Multi-Sourcing-Strategie. | MUC/OS: BMW + OS-Zulieferer |
| Investitionsgüter-Beschaffung | Maschinen, Anlagen, Robotik, Prüfstände, IT-Infrastruktur. | MUC/OS: Werksausrüstung |
| Logistik-Dienstleistungen | Transport, Lagerung, Zollabwicklung. | MUC/OS: Externe Logistikpartner |
| Energie-Beschaffung | Strom für Produktion (CO₂-neutraler Strom für E-Produktion). Steigende Energiekosten. | MUC/OS: Energiepreissteigerung +5,9 % (Mai 2026) |
4. Wertschöpfungsstruktur im Wandel
4.1 Wertschöpfungsanteile Verbrenner vs. E-Antrieb
Wertschöpfungsbereich Verbrenner (~2025) E-Antrieb (~2030) Veränderung
───────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
Antriebsstrang 25–30 % 10–15 % −15 % (−50 %)
(davon Motor) (10–12 %) (3–5 % E-Maschine) Stark rückläufig
(davon Getriebe) (8–10 %) (4–6 % Red.-Getriebe) Rückläufig
(davon Abgasanlage) (5–7 %) (0 %) Entfällt komplett
Batterie 0–2 % 30–40 % NEU (größter Block)
Software/Elektronik 10–15 % 20–30 % Verdopplung
Karosserie/Fahrwerk ~20 % ~15–20 % Stabil
Innenausstattung ~10–15 % ~10–15 % Stabil
Vertrieb/Service ~15 % ~15 % Stabil
Kernerkenntnis: Die batterie- und softwarebezogene Wertschöpfung steigt von ~12 % auf ~50–70 %. Die mechanische Wertschöpfung (Verbrenner-Motor, Getriebe, Abgasanlage) fällt von ~25–30 % auf ~10–15 %. Die Wertschöpfungstiefe der deutschen Automobilindustrie sinkt per Saldo — einfachere E-Antriebe benötigen weniger Teile und weniger Arbeitsstunden.
4.2 Neue Wertschöpfungsstufen durch E-Mobilität
| Neue Stufe | Beschreibung | Wertschöpfungsanteil (2030) | Regionaler Bezug |
|---|---|---|---|
| Batteriezell-Produktion | Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen (NMC, LFP); Hochvoltsicherheit | ~15–20 % (größter Einzelblock) | MUC: Keine Produktion, nur F&E — strategische Lücke |
| Batteriepack-Montage | Modul- und Packmontage, Thermomanagement, Batteriemanagementsystem (BMS) | ~10–15 % | MUC: BMW F&E; OS: Keine Aktivität |
| Leistungselektronik | Inverter, DC/DC-Wandler, On-Board-Charger (OBC), Hochvolt-Verteller | ~5–8 % | MUC: BMW F&E; Bosch |
| E-Maschine | Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM), Asynchronmotor (ASM); Seltene Erden | ~5–8 % | MUC: BMW E-Antriebs-Entwicklung |
| Software-Plattform | Fahrzeug-OS, Middleware, App-Ökosystem, OTA-Plattform, KI-Modelle | ~10–15 % | MUC: BMW iDrive 10, Software-Cluster |
| Kupfer-Komponenten | Busbars, Hochvoltleitungen, Steckverbinder, Kühlwasserschläuche | ~3–5 % (neu gewichtet) | OS: KME — zentraler Profiteur |
5. Regionale Value Chain MUC vs. OS
München (MUC) — Vollständige Wertschöpfung mit F&E-Schwerpunkt
| Aktivität | Ausprägung MUC | Stärke/Schwäche |
|---|---|---|
| Eingangslogistik | JIT/JIS für BMW Werk München; globale Rohstoffbeschaffung | ★★★☆☆ |
| Produktion | BMW Werk München (3er, 4er, i4, M); Umbau auf Neue Klasse | ★★★★☆ |
| Ausgangslogistik | Export über Bremerhaven/Rotterdam; Werkslogistik | ★★★★☆ |
| Marketing/Vertrieb | BMW Konzernzentrale — globales Brand Management | ★★★★★ |
| Kundendienst/Service | BMW ConnectedDrive, OTA-Updates, Aftermarket | ★★★★☆ |
| Unternehmensinfrastruktur | BMW-Zentrale, Konzernfunktionen, Compliance | ★★★★★ |
| Personal | Top-Fachkräftepool (TUM, LMU); hohe Standortkosten | ★★★★☆ |
| Technologieentwicklung | Epizentrum: FIZ (~20.000+ F&E), i-Campus, KI, Software | ★★★★★ |
| Beschaffung | Globaler Konzerneinkauf; strategische Rohstoffbeschaffung | ★★★★☆ |
Wertschöpfungs-Schwerpunkt MUC: F&E, Software, KI, Marketing/Vertrieb, Verwaltung Wertschöpfungs-Lücke MUC: Batteriezellproduktion (keine), Ladeinfrastruktur (nur indirekt)
Osnabrück (OS) — Zulieferer-Wertschöpfung im Umbruch
| Aktivität | Ausprägung OS | Stärke/Schwäche |
|---|---|---|
| Eingangslogistik | Rohstoffbeschaffung (KME: Kupfer weltweit); Teilebeschaffung für VW OS | ★★★☆☆ |
| Produktion | KME: Kupferverarbeitung (Bänder, Rohre, Profile); Pierburg: Abgas-/Kühlmittelpumpen; VW OS: Sonderfertigung | ★★★★☆ (KME) / ★★☆☆☆ (Pierburg) |
| Ausgangslogistik | Versand an OEMs und Tier-1; Aftermarket-Logistik | ★★★☆☆ |
| Marketing/Vertrieb | B2B-Vertrieb an OEMs — kein eigener Markenzugang | ★★☆☆☆ |
| Kundendienst/Service | Aftermarket-Teile (Bosch, ZF, KME) | ★★★☆☆ |
| Unternehmensinfrastruktur | Mittelständische Strukturen; kein OEM vor Ort | ★★☆☆☆ |
| Personal | Fachkräftemangel; Transformationsqualifizierung dringend nötig | ★★☆☆☆ |
| Technologieentwicklung | KME: Werkstoffinnovationen (Kupferlegierungen); Pierburg: E-Aktorik-Entwicklung | ★★★☆☆ |
| Beschaffung | Rohstoff-Weltmarktabhängigkeit (Kupferpreisvolatilität) | ★★☆☆☆ |
Wertschöpfungs-Schwerpunkt OS: Produktion/Verarbeitung (KME), Komponenten-Fertigung (Pierburg), Sonderfertigung (VW OS) Wertschöpfungs-Lücke OS: Keine OEM-Funktion, keine F&E auf Konzernniveau, kein eigener Vertrieb/Marktzugang
6. Wertschöpfungs-Vergleich der Regionen
| Aktivität | MUC | OS | Differenz |
|---|---|---|---|
| Eingangslogistik | ★★★☆☆ | ★★★☆☆ | ≈ Gleich |
| Produktion | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | MUC besser (OEM + Volumen) |
| Ausgangslogistik | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | MUC besser (Exportvolumen) |
| Marketing/Vertrieb | ★★★★★ | ★★☆☆☆ | Große Differenz (OEM vs. Zulieferer) |
| Kundendienst/Service | ★★★★☆ | ★★★☆☆ | MUC besser (ConnectedDrive, Marke) |
| Unternehmensinfrastruktur | ★★★★★ | ★★☆☆☆ | Große Differenz (Konzern vs. Mittelstand) |
| Personal | ★★★★☆ | ★★☆☆☆ | Große Differenz (Fachkräftepool) |
| Technologieentwicklung | ★★★★★ | ★★★☆☆ | Sehr große Differenz (F&E-Zentrum vs. angewandte Entwicklung) |
| Beschaffung | ★★★★☆ | ★★☆☆☆ | MUC besser (Konzerneinkauf vs. Rohstoff-Weltmarkt) |
7. Strategische Handlungsempfehlungen
7.1 Branchenweit
| Handlungsfeld | Empfehlung | Ziel |
|---|---|---|
| Fertigungstiefe E-Mobilität | Batterie-Wertschöpfung aufbauen (Zellproduktion, Packmontage, Recycling) — strategische Notwendigkeit | Wertschöpfungsverlust kompensieren |
| Software-Wertschöpfung | Software-Plattformen (iDrive, MB.OS, Cariad) zur Kernkompetenz entwickeln; Feature-on-Demand als Ertragssäule | 10–15 % der Gesamtwertschöpfung sichern |
| Lieferketten-Resilienz | Multi-Sourcing, Regionalisierung, strategische Rohstoffpartnerschaften (LkSG-Compliance) | Versorgungssicherheit + CO₂-Reduktion |
| Aftermarket-Ausbau | E-Mobilitäts-Aftermarket aufbauen (Batteriediagnose, -reparatur, -recycling, Software-Updates) | Margenstabiles Geschäftsfeld ausbauen |
7.2 München (MUC)
| Handlungsfeld | Empfehlung |
|---|---|
| F&E-Position halten | FIZ und i-Campus als weltweit führendes Automobil-F&E-Zentrum ausbauen; KI- und Software-Kompetenz weiter stärken |
| Batterie-Lücke schließen | Eigene Batteriezell-Produktion aufbauen oder strategische Partnerschaft eingehen (aktuell größte Wertschöpfungslücke) |
| Werk München modernisieren | Umbau auf Neue Klasse als Chance nutzen — modernste E-Produktion, Giga-Casting, digitale Zwillinge |
| Startup-Integration | Tech-Startups aus München (KI, Software, Sensorik) systematisch in die Wertschöpfungskette integrieren |
7.3 Osnabrück (OS)
| Handlungsfeld | Empfehlung |
|---|---|
| KME-Expansion | Kupferverarbeitung als Star der regionalen Wertschöpfung ausbauen — Kapazitäten erhöhen, Recycling-Kompetenz ausbauen (EU-Batterieverordnung) |
| Pierburg-Transformation | Von Abgasrückführung zu E-Aktorik (Kühlmittelpumpen, Ventile für Batterie-Thermomanagement) — zeitkritisch |
| VW Osnabrück-Neuausrichtung | Sonderfertigungskompetenz für E-Nischenfahrzeuge nutzen (Roadster, Cabrios, Kleinserien) — sonst Produktionsende |
| Wertschöpfungs-Upgrade | Von reiner Fertigung zu Entwicklung + Fertigung („Engineered in OS") — Niedersachsen-Förderung dafür nutzen |
| Aftermarket-Nische | Regionale Zulieferer-Kompetenz für E-Aftermarket nutzen (Batteriekomponenten, Thermomanagement-Ersatzteile) |
8. Value Chain — Gesamtfazit
| Aspekt | Automobilindustrie gesamt | MUC | OS |
|---|---|---|---|
| Wertschöpfungsverschiebung | Von Mechanik → Batterie + Software | F&E + Software als Gewinner | Kupfer-Verarbeitung (KME) als Gewinner; Mechanik (Pierburg) als Verlierer |
| Größte Wertschöpfungslücke | Batteriezellproduktion (30–40 % des Fahrzeugwerts) | Batteriezellproduktion (keine) | OEM-Funktion + F&E (fehlende Leitfunktion) |
| Größte Wertschöpfungschance | Software (Feature-on-Demand, OTA, KI) | KI/Software-Cluster (TUM, BMW) | KME Kupfer-Boom (80 kg/E-Auto) |
| Transformationsbedarf | Sehr hoch — fast alle Aktivitätsbereiche betroffen | Mittel — F&E/Software gestärkt | Sehr hoch — Produktionsportfolio muss umgebaut werden |
| Risikofaktor Nr. 1 | Parallel-Investitionen Verbrenner + E (20–30 Mrd. €/Konzern) | US-Zollrisiko, Fachkräftemangel | Pierburg-VW OS Doppelrisiko; Rohstoffpreise |
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